Wetterprognose

Christophs Marokkoreise 2009 PDF Drucken E-Mail
Dienstag, 22. Dezember 2009

Ich bin also am 3.11.2009 in Agadir eingefallen. Die “Bastelstunde” am Flughafen (Fahrrad reisefertig machen etc.) mit anschließender Zollzeremonie sind total unkompliziert verlaufen. Anschließend hab ich am Flughafen noch Geld gewechselt - auch problemlos.
Stichwort Geld: Gibt es in dem großen Marokko eigentlich irgendeine Bank, die Travellerchecks tauscht? Ich bin im Verlauf meiner Tour bei 10 Versuchen 10x abgeblitzt... also, liebe Tourneulinge, nehmt genug Cash mit!
Entgegen den Behauptungen der deutschen Bankangestellten werden Travellerchecks NICHT in jeder Bank und jedem Land angenommen! Ist in Tunesien übrigens das Gleiche.

Weil ich um 14.00 h mit Allem fertig bin, fahre ich noch bis Tiznit. Dort gibts einen schönen Campingplatz (am Kreisverkehr rechts, direkt vor der Stadtmauer) und mehrere Hotels (sind alle übersichtlich um den Kreisverkehr verteilt). Leider ist der ruhig gelegene Campingplatz komplett mit grobem Schotter belegt, also zum Zeltcamping eher ungeeignet.

Am nächsten Morgen gehts weiter über Bou Izarkane auf die R 102. Ab dem Abzweig auf die R 102 wird der Verkehr schlagartig weniger. Das Fahren ist deutlich angenehmer als auf der großen Straße nach Süden! Auf der R-102 hab ich auch bald meinen ersten „Pass“ befahren. Es ging immerhin auf 1000 m. Kurz und schmerzlos. Die Landschaft wurde bald sehr abwechslungsreich, steinige Steppe wechselt sich mit grünen Hügeln, kakteenbewachsenen Gebieten und kleinen Oasen ab. Die Oase Taghjicht setzt Allem die Krone auf: Die Palmen stehen neben der Straße so dicht zusammen , daß es unmöglich ist, weiter als 10 m in diesen Wald hinein zu sehen. Ich hab dort etwas eingekauft und bin dann noch etwas gefahren, bis ich die passende Stelle zum Campen gefunden habe...

Am nächsten Tag fahre ich bis Tata, der Rückenwind machts möglich. Weil der örtliche Campingplatz zu Ehren der Wohnmobilcamper komplett betoniert ist, übernachte ich im Hotel „Relais de Sables“. Relativ teuer, aber gute Zimmer und gutes Essen.
In Foum Zguid hab ich dann nen Großeinkauf gemacht und anschließend gings auf die Piste nach Mhamid. Ich bin froh, daß ich vollgefedert fahre. Die ersten 20 km sind recht holprig, mit vielen faustgroßen Kieselsteinen, streckenweise auch Sandverwehungen. Das Ganze wird dadurch noch interessanter, daß es ab und zu mal ne Rampe hoch- oder runter geht. Die Piste über den Iriki ist allerdings vom Allerfeinsten: Topfebener, harter, relativ glatter Boden, da kann man ja fast schon mit dem Rennrad fahren. Abends baue ich mein Zelt neben der Piste auf einer Düne auf und übernachte unter 1000 Sternen. Am nächsten Tag gibts zum Schluß, kurz vor M´hamid, noch 4 km Fechfech, die streckenweise unfahrbar sind. In M´hamid hab ich mir 2 Tage Pause gegönnt. Diese Stadt IST AFRIKA! Wer von Norden über die Piste kommt, wie ich, verläßt in Foum Zghuid die übliche Zivilisation und kommt in M´hamid in einer anderen, afrikanischen, Zivilisation an. So habe ich es empfunden. Weiter gings über die N9 Zagora, durchs Draatal und bei Tazzarine auf die nächste Piste, von Tarhbalt nach Taouz. (Targhbalt ist auf der Michelinkarte Nr. 742 an der falschen Stelle!)
Hier war auch wieder für jeden was dabei, anfangs steinige Gebirgspisten, weite glatte Schwemmtonebenen, und Sand. Kurz vor Ramlia wieder viiiieel Sand: 6 km Fechfech, viel Schieben, wenig Fahren. Ramlia selbst besteht aus einigen Oasengärten, einigen Lehmhäusern, einer Moschee und einer Tankstelle die die auch Restaurant, Auberge und Lebensmittelladen ist. Nach 2 kalten Cola fahre ich weiter: die Piste ist wieder gut fahrbar. Es gibt noch einige kurze Sandpassagen, die aber fast alle mit Anlauf passierbar sind. Die letzten 20 km nach Taouz sind etwas holprig und kurvig, aber nichts Kompliziertes mehr. Diese Piste ist 170 km lang, unterwegs kann man die große Einsamkeit finden. Aber andererseits gibts genug Dörfer und Campingplätze in Pistennähe. Das Ganze hat schon was Surreales: keine festen Straßen, nur Pisten, aber mitten im Nirgendwo taucht plötzlich ein komplettes Dorf auf...

Die Versorgung mit Wasser und Lebensmitteln müßte ggf. also möglich sein, die Einheimischen leben ja auch von irgendwas.

Direkt hinter Taouz fängt die Asphaltstraße an. Ich fahre noch einige Kilometer bis nach Merzouga wo ich im “Camping Ksar Sania” mein Zelt aufbaue. Der Platz ist französisch geführt und liegt direkt an den großen Dünen vom Erg Chebbi.

Weiter gehts über Tinedjad und durchs Dadestal. Und es geht bergauf. Dank dem Rückenwind kaum spürbar, aber ich bin auf dem Weg in den Atlas. Morgens in Merzouga zeichnete sich die Gebirgskette noch als schmaler zackiger Saum am Horizont ab. Aber Abends in Tinedjad ist er deutlich zu sehen, der Atlas. Westlich und nördlich von mir erhebt sich das Gebirge immer imposanter! Auf dem Weg zum Tiz´n Tichka hab ich ab Ouazazat die Nebenstrecke genommen... Das ist dann “Urlaub für Fortgeschrittene”! Die Straße geht etwa nach 20 Km in eine Piste über. Die ist streckenweise fast unfahrbar steil, nur um hinter der nächsten Kurve wieder die eben mühsam erarbeiteten Höhenmeter zu verlieren. Wobei die Gefällesektionen auch keine Entlastung sind, ich fahre bergab genau so langsam wie bergauf. Zu scharf sind die Gesteinskanten, zu tief die Löcher in der Piste, daß ich irgendwas riskiere. Außer mir sind auch nur noch wenige Einheimische zu Fuß oder mit ihren Eseln unterwegs. So fahre ich Kilometer um Kilometer vor mich hin, und genieße die Landschaft. Langsam und beschwerlich windet sich die Piste immer höher. Im Verlauf werden mit großen Baggern an 2 Stellen gerade riesige Felsbrocken aus dem Weg geschoben, vermutlich als Folge von Erdrutschen. Beide Male habe ich etwa 45 min Zwangspause, bis der Weg wieder passierbar ist. Die Landschaft und die Dörfer, die teilweise wie Schwalbennester am Berg kleben, sind einmalig! Die Piste allerdings auch. Es gibt sicher viele Möglichkeiten sich zu quälen, aber das hier ist die gründlichste Methode! Beim nächsten Mal werde ich die Piste in umgekehrter Richtung, bergab, befahren. Ist vielleicht etwas einfacher...

Ich bin abends noch bis Telouet gefahren, habe da im “Hotel Restaurant Telouet” übernachtet. Das Zimmer sollte 300 Dhm ohne Frühstück kosten, ich einige mich mit dem Hotelbesitzer auf 150Dhm mit Frühstück. Am nächsten Morgen kostet das Frühstück dann noch 20 Dhm extra... (warum nur hatte ich hier das Gefühl, übers Ohr gehauen zu werden??) So was hab ich in ganz Marokko nicht wieder erlebt!

Am nächsten Tag gings ab dem Tiz´n´Tichka bergab, abends komme ich in Marrakesch an, wo ich 2Tage bleibe. Wow- diese Stadt hat was! Die Neustadt ist langweilig, könnte auch in Südfrankreich stehen. Aber die Medina, um den Jama al Fnaa, ist der Hammer. Abends ist der Jama al Fnaa die Bühne für alle Künstler, Gaukler, Musikanten, Zigarettenverkäufer etc. Tagsüber ist es dort fast langweilig. Dann wird der Platz von Schlangenbeschwörern, Wasserverkäufern und Schuhputzern bevölkert. Hier und in den engen Gassen der Medina tobt das orientalische Leben in all seinen Facetten. Dazu gehören leider auch Armut und Krankheit. Es gibt viele Männer und Frauen die -durch Behinderungen oder Krankheit arbeitsunfähig- ihren Lebensunterhalt als Bettler verdienen.

Der Rest ist schnell erzählt: Von Marrakesch fahre ich Richtung Küste weiter, auf der N7. An der ganzen Strecke gibts nur wenige Übernachtungsmöglichkeiten. Weil ich morgens vor der Abfahrt in Marrakesch zu lange herumgetrödelt habe, strande ich im Dunkeln in Sidi Smail. Es gibt dort weder Hotels noch Campingplatz. Frei zelten geht auch nicht, überall Ackerbau und Viehzucht... So frage ich an der örtlichen Gendarmerie Royale. Nach ca. 40 minütigem Frage- und Antwortspiel, in dessen Verlauf auch der örtliche Standortkommandeur aufläuft, bekomme ich die Erlaubnis,auf dem Parkplatz der Polizeistation zu zelten. Es gibt sicher ruhigere Zeltplätze, aber keinen, der sicherer ist!

Angeblich gibt es einen Campingplatz 40 km weiter, in Al Jadida an der Küste. Ich hab da am nächsten Tag aber nur massenhaft Schwerindustrie und vermüllte Straßengräben entdeckt. Ab Safi wirds besser. Und auf den letzten 300 km bis Agadir gibts noch mal richtig was fürs Auge, rechts die tosende Brandung, links Hügel und vor mir abwechslungsreiche, kurvige, (und hügelige) Landstraße. In Agadir hab ich ein letztes Mal gecampt. Ich weis nicht mehr wie der Platz heißt, aber er ist im Norden Agadirs, südlich vom Hafen, kurz vor den Autoverleihern links. Für ein Großstadtcamp ist der Platz recht ordentlich, ruhig gelegen und wird auch gut bewacht. Zum Strand ist´s auch nicht weit, nur die 4 spurige Straße überqueren... Aber die WC´s und Duschen auf dem Camp- nee, nee, nee! Wer dort duschen möchte, sollte Gummistiefel dabei haben!! So ein “disaster area” hab ich bisher noch nicht gesehen! Sauber machen geht da nicht mehr. Man kann das ganze Sanigebäude eigentlich nur tutto kompletti auf die Müllhalde bringen und dann was Neues bauen. Am nächsten und leider letzten Tag gabs dann die Großstadtdröhnung: Viel Verkehr, viele Touristen, viele Einheimische, die mir irgendwelchen Kram verkaufen wollten-(natürlich zum extra günstigen Preis- nur für mich) und einige Kreisverkehre, die trotz Ampel und Verkehrspolizisten völlig verstopft waren.

Am Abend des 27.11. fahre ich in Deutschland meine letzten 15 Kilometer nach Hause.

Es war stürmisch, etwa 7° kalt, und geregnet hats auch!

Willkommen zurück in Deutschland!

Das war meine erste Tour durch Marokko!

Aber bestimmt nicht die Letzte!

@Island-Olaf! Die GPS- Marokkokarte ist absolut Klasse!!

 

Meine Bilder 

Hinter Tachjicht:

Teepause auf der Irikipiste:

Begrüßungskommande in der Wüste:

Downtown Tata:

 

Markt in Mhamid:

 In Mhamid:

Mhamid:

unterwegs:

Schülergang in Merzouga:

Im Draatal:

Tazzarine:

Bei Tamassint:

Bei Hassi Ouzina:

Erg Chebbi:

Marrakech:

Marrakech, am Djemaa el Fna

Polizeicamping:

GPS Koordinaten von hotels & camps:

Campingplatz Tiznit, ordentlich und sauber, direkt vor der Stadtmauer, leider komplett gekiest:

N 29°41'39.3" W009°43'34.0"

Hotel „Idou Tiznit“: gegenüber dem Campingplatz, schöne Zimmer, gut Küche, Ü/f für450Dhm

In Icht, ca 64 km von Tarjhicht, gibts einen Campingplatz bei N29° 03' 26,3" W008° 51' 21,3" (Borj Bramane, Tel 212 061 04699 33 www.borj-biramane.com)

Foum Zguid: Campingplatz ,"Sable d'Or", bei N30° 03' 59,0" W006° 51' 59,4" sieht sehr ordentlich und gepflegt aus. Habe dort aber nicht übernachtet.

Berbercamp an der Irikipiste bei: N29° 55,740 W006° 25.689 . Dort gibts Übernachtungsmöglichkeiten in Berberzelten und völlig überteuerte kalte Cola.

Camping in M´hamid: 3 Camps nebeneinander, zb. bei: N29°49'17,7" W005°43'13,8" alle sauber und ordentlich, gut bewacht.

Zagora: absolut empfehlenswerter Platz "Oasis Palmier" ist bei N30°19'22,6" W005°49'30,7" ruhig, sauber und ordentlich, blitzsaubere Sanis, heiße Duschen morgens und Abends.

N´kob: Campingplatz und Hotel "Uadjou" bei N 30°52' 06,0 W005° 52'06,4, liegt direkt an der Hauptstraße, mit Schwimmbecken, heißen Duschen und Restaurant. www.ouadjou.com

Merzouga: Camp "Ksar Sania" N31° 05' 06,9" W004° 00' 27,2" französisch geführt, klei, gemütlich, ordentliche Sanis. Direkt am Erg Chebbi.

Tinedjad : Hotel "Reoa" bei N31° 29'59,5" W005° 04' 08,2" Etagen- WC/ Dusche, ordentlich.

Boumalme Dades: Hotel "Soleil Bleu"N31°22'40,7" W005° 58'53,5" Campingplatz auf dem windgeschützten Hotelgelände. Die Gastgeberfamilie ist sehr um das Wohl der Gäste bemüht!

Ouarzazat Camping: N30° 55'24,2" W006°53'11,9" typisches Stadtcamping: große Mauer drum herum aber sauber und ordentlich. 1 Person & Fahrrad & Zelt 30 Dirham, warme Dusche 8 Dirham extra, kalte Dusche frei

Campingplatz Esaouira N31° 29'28,2" W 009°45'49,5" saubere Sanis, ordentlich, ca 500 m zum Meer.

Agadir Stadtcamp „disaster area“ (ich weis den richtigen Namen nicht mehr!) N30° 25'28,6" W009°36'29,3" schön konzipierter Platz, bewacht, ordentlich, aber die Duschen und WC´s sind absolut unbenutzbar, wurden wohl schon lange nicht gereinigt oder instandgesetzt. Viele europäische Dauercamper.

 

 
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