Wetterprognose

Patricks 4. Marokkoreise PDF Drucken E-Mail
Dienstag, 1. Januar 2013

Agadir – Marrakesch, November 2012 (430 km)

von Patrick van´t Hooft

Samstag 10. November bis Donnerstag  15. November 2012

Temperaturen von 23 bis 12 Grad (oben auf dem Tizi’n Test-Pass).

Wetter: fast immer Sonne

Ticket Ryanair (ab Düsseldorf Weeze) € 100 + € 100 für das Fahrrad. Gesamtausgaben in Marokko € 150,-


Dies war das vierte Mal für mich in Marokko. Jedesmal nur für vier bis sechs Tage. Vorher war ich schon zweimal in der Atlas-Region (siehe meinen anderen Reiseberichte) und einmal im Norden, Rifgebirge.
Ich reise meistens allein, schlafe in einfachen Hotels/Chambres d’hôtes. Mein Fahrrad (kein Mountainbike!)‘verpacke ich immer nur mit einer Plastikdecke und Tape. Die Decke ist einfach mit zu nehmen auf dem Rad. Hat immer geklappt, ohne Schwierigkeiten am Flughafen, und ohne grosse Schäden.


Samstag 10.  Agadir Airport – Aousri 70km

Bei Ankunft Agadir: Vorderlicht abgebrochen. Mit Tape wieder provisorisch fest gemacht. Um 11.15 h geht es los. Gegen den Wind Richtung Agadir. Unangenehme Provinzialweg die sich länger zieht als ich dachte.
In Agadir über die Luxus-Touristenzohne am Meer und die Küstenstrasse nach Awrir/Aourir um dann in das Landesinnere ab zu biegen. Tipp: die Strecke vom Flughafen bis Aourir (38km) ist ab zu raten/sehr unattraktiv – überlege eine Taxi! (Rad oben auf dem Dach/ im Kofferraum)
Ab Aourir wird es schnell schöner und geht es in den Bergen. Nimm im Dorf den Abzweig nach rechts (Schild: Route du Miel) Richtung Vallée du Paradis-Immouzer. Führt durch einen sehr schöne Palmenschlucht entlang einen Fluss.

Aber: durch den Regenfall (die Regensaison war garade erst vorbei) war der Weg auf eine Strecke von mindestens 1 km total weggeschlagen. Normalerweise total unüberwindbar für ein Einzelgänger + Fahrrad + Gepäck. Ich war schon ziemlich verzweifelt (zurück nach Agadir schien die einzige Option) als zwei Junge Marokkaner mir zur Rettung kamen: sie halfen mir über das Geröll, die grosse Steine und das Wasser das über den ‘Weg’ strohmte. Ich war den Zweien so dankbar!

 

Also konnte ich – mit viel Zeitverlust - doch meine geplante Fahrt weiter machen. Der Weg geht immer weiter hoch in die Berge. Kaum Verkehr, schöne Landschaft. Mögliches Problem: wo gibt es Unterkunft? Kaum Dörfer. Zum Glück finde ich beim Fallen des Dunkels ein nettes Zimmer in einem kleinen, netten Ferienresort, 1-2 km vor Aousri/Aqsri (Höhe 650m / 220Dh inkl. Früstück).

Sonntag11. Aousri-Taroudant 111km

In Aousri gibt es mehrere einfache Hotels, sehe ich wenn ich morgens weiter fahre. In ein glattes Tempo geht es hoch zum Pass (1480m). Der Gipfel liegt ung. 9 km nach dem Abzweig nach rechts (links ab: Immouzer, noch ung 6 km wenn ich mich richtig erinnere). Dann passiert mir wieder etwas dass mir schon öfters passiert ist (wie Dumm!): zu wenig Proviant, insbesondere: kein Wasser mehr. Die Gegend ist total verlassen, also es droht eine körperliche Zusammenbruch (auf Hollandisch gibt es dafür das Wort ‘hongerklop’ – ein typisches Wort aus dem Rennsport-Wörterbuch…).
Nach Erreichen des Provinzialwegs (parallel am Autoweg Marrakesh-Agadir) kann ich endlich nach Wasser fragen von zwei LKW-Fahrern die auf einem Parkplatz Pause machen. Gerettet!
Danach folgt eine flache, langweilige Strecke nach Taroudannt.
Die Stadt erweist sich als eine lebendige, authentisch Marokkanische Stadt, ideal  als Zwischenstation. Ich find ein einfaches Zimmer am zentralen Platz. Abends spazier ich etwas, suche mir was zum Essen, gehe zum Frisör und sehe wie man überall in den Cafés ein Spiel von Real Madrid folgt.

 


Montag 12. Taroudant – Tizi’n Test 94km.
Die ersten 50km zum Anfang der (langen) Pass-Weg sind ärgerlich: Provinzialweg met ziemlich viel Verkehr. Glücklicherweise ist der Wind meistens im Rücken. Ich warte weider einmal zu lange mit Proviant einkaufen, aber kurz nach Anfang des Aufstiegs  (bevor es richtig hoch geht) liegt noch ein kleines Dorf wo ich Essen und Trinken kaufe. Grade noch, denn später gibt es eine ganze Weile wenig Einkaufsmöglichkeiten mehr.
Beim Weiterfahren beschäftige ich mich intensiv mit der Frage: bis wie weit werde ich heute weiterfahren. Nicht bis zur Gipfel, das wäre doch zu weit, oder?  Halbwegs, also. Aber wie so oft ist die Herausforderung zu gross und so mache ich weiter. Inzwischen rechne ich mehrmals aus, ob ich vor Dunkel oben sein kann. Ich weiss das es da Unterkunft gibt.

 

Am Ende halte ich doch 7 km vor dem Gipfel an. Auf eine malerische Ecke im Aufstieg (mit Panorama-Aussicht) liegt eine kleines Café + ‘Zimmer Frei’ (60Dh).

 

Ich entscheide mich hier die Nacht zu verbringen. Ausser mir ist auch ein Französisches Paar da. Abends essen wir was zusammen met dem (netten) Wirt. Unter dem Café zeigt sich das Verbleibsteil des Gîtes primitiv: keine Möglichkeit zum Duschen, die ‘Toiletten’ haben gerade mal Wasser, und es wird nachts richtig kalt!
Zum Glück brennt im Café/Wohnzimmer einen Gaskamin.

Dienstag 13. Tizi ’n Test – Ouirgane 74 km.


Ich bemerke schnell nach Anfang des Aufstiegs (die letzten 7 km) dass ich nicht in guter Verfassung bin. Mein Magen ist nicht 100% ok, keine Lust zum Essen, ich fühle mich schwach. Mühsam erreiche ich den Pass (2100m). Nach eine Pause fange ich den Abstieg an. In einem Dorf begegne ich einem netten Marrokaner der 3 Jahrzehnte in Holland gearbeitet hat. Beim Weiterfahren passiert dann das was mir noch nie passiert ist: Durchfall… ich erspare euch die Einzelkeiten, nur dies: ich hatte Glück, dass ich in der Nähe eines kleinen Flusses war… (es war wohl das Essen im Café, am vorherigen Abend).
Nachdem ich scheinbar alles los war, fühlte ich mir wieder etwas besser. Unterdeessen befand ich mich in einer schönen Landschaft, aber dafür hatte ich kein Auge...

 

Dann kam wieder die Frage: wo anhalten für die Nacht? Noch immer unsicher über meinen Magen lehnte ich ein all zu primitives Zimmer in Ijjoukak ab. Meine Hoffnung, noch vór dem Dunkel etwas zu finden wird immer kleiner. Notfallszenario: Durchfahren bis Asni, aber das heisst anderthalb Stunde im Stockdunkeln in den Bergen fahren. Mit eine Vorderlampe die wegen des Bruchs nicht gut auf dem Weg scheint. Und dass alles wenn man physisch und mit dem Moral schon ziemlich am Ende ist…
In Ouirgane (990m) soll etwas sein, sagt einer. Stimmt: ein Luxusresort, 1100Dh pro Nacht. Mal weiter fragen im Dorf, also. Es ist schon Dunkel. Beim lokalen Kiosk an der Strasse ruft man auf meine Frage einen Freund an. Er (oder: die Familie) hat eine noch nicht ganz fertig gebaute, sehr nette Gîte mit totalen Privacy und ein richtiges Badezimmer mit warmem Wasser! Zu einem Preis, den ich selber bestimmen darf (die Gîte ist noch nicht geöffnet, inoffiziell also). Wieder mal gerettet im letzten Moment! Der Sohn des Hauses (Aziz, 23 Jahre alt) spricht Französisch, die Mutter klatscht unablässig Berber mit mir… Sie macht mir eine (sehr wilkommenen) Tajine, Aziz und ich plaudern noch etwas. Dann ist es Zeit schlafen zu gehen. Im Schlafzimmer is er wieder kalt: 13 Grad.
 
Mitwoch 14. Ouirgane – Marrakesch 64km


Horrornacht: fast unkontrollierbarer Durchfall. Ich danke Gott, dass ich gerade diese Nacht ein perfektes Badezimmer habe. Wäre das eine Nacht eher passiert, dann wäre die Katastrophe unabsehbar!
Frühstuck, 200 Dh bezahlt und auf nach Marrakesh. Den geplanten Umweg durch Amizmiz nicht genommen, weil noch zu schwach.
Durch Asni und nach noch einem Aufstieg nach 1200m (sehr schöne Berglandschaft) aus den Bergen herausgefahren. 

 

Die letzten ung. 30 km Provinzialweg nach Marrakesch sind wie erwartet…
Rund 15.00 h ein einfaches Hotel gefunden (Eddakhla: 120Dh, mit warmer Duche. Okay, könnte besser sein) im Hotel-quartier direkt hinter dem Platz Jemaa el Fnaa (hinter der Banque Populaire, dort wo es unzählbare kleine Hotels gibt) Geduscht, durch die Stadt + Soukh spaziert usw.

Donnerstag15. Marrakesch 24km.


Ziemlich gut geschlafen, die Krankheit ganz weg. Mit dem Rad die ganze, ummauerte Altstadt durchkreuzt (viel grösser als ich dachte. Ideal, so mit dem Rad!) Kleine Geschenke gekauft für meine Kinder (inkl. das mittlerweile traditionelle -Liverpool- Fussballshirt für Sohn Tommie)
Mittags ein letztes mal essen auf dem Platz, ein letztes Glas Orangensaft (herrlich, immer wieder!), 

 

und ab zum Flughafen.

Fazit:
Vallée du Paradis, Taroudannt, Aufstieg und Abstieg Tizi’n Test waren schön und interessant, kaum/wenig Verkehr. Die unvermeintlichen langweiligen, unattraktiven Strecken über Provinzialwegen zwischen den Höhepunkten jedoch waren diesmal relativ lang. Zu lang.
Ein nächstes Mal werde ich vorher aussuchen welche Strecken ich selber fahre, und welche Strecken ich eine Taxi nehmen kann.  So habe ich es aucht gemacht in 2011 (sehe Bericht) and das hat mir sehr gut gefallen. (die 2011-Reise war ohnehin die schönste von meinen 4 Marokko-Trips, auch von der Landschaft her)
Das, und meine (kurze) Krankheit, hat mir beim Fahren diesmal manchmal ans Denken gesetzt. Warum mache ich das alles, warum quäle ich mich so? Wobei ich mich selber fragte ob ich noch mal nach Marokko kommen würde.
Dieses Gefühl verschwand aber ganz schnell nachdem ich zu Hause war. Jetzt möchte ich am Liebsten schnell wieder gehen. Wie heisst sowas: eine Sucht? Ja bestimmt, das ist es.

 
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