Wetterprognose

Christophs Marokkoreise 2012 PDF Drucken E-Mail
Dienstag, 1. Januar 2013

Fast genau 4 Jahre sind seit meiner ersten Marokkotour vergangen. Die Entzugserscheinungen wurden immer größer, ich mußte da wieder hin. Am 30.10. war es dann endlich wieder so weit- Christoph rockt den marokkanischen Subkontinent (Ääh- eigentlich eher umgekehrt, Marokko rockt Christoph)



Nach einer recht rumpeligen Landung in Casablanca- dort tobte sich gerade ein Regensturm aus- und 3 Kilometern Fahrt zum Atlas Airport Hotel gings am nächsten Morgen bei Sonne und 20 Grad in Richtung Atlas los. Was mir sofort auffiel: Die Wiesen und Straßen waren klatschnass, teilweise überschwemmt. Im Lauf des Vormittags habe ich einige etwa 20 cm hoch überflutete Landstraßenkreuzungen gefurtet. Das lehmrot gefärbte Wasser lief von den Feldern in die Straßengräben und über die Straßen. Passte alles so gar nicht in das Klischee von trockenen, heissen Afrika. Im Laufe des Nachmittags begann es wieder zu regnen, und ich hab mich abends in Ouad Zam in einem Hotel verkrochen. Über Nacht und am nächsten Tag regnete es abwechselnd mehr oder weniger wolkenbruchartig. Ich bin deshalb gar nicht erst los gefahren und hab nen Faultag in meinem Hotel drangehängt. Hab an dem Tag z.B. ne SIM Karte für mein Tel. gekauft, Tee getrunken, durch den örtlichen Souk gelaufen... Was man eben so machen kann an einem verregneten 31.10...
Der nächste Morgen war anfangs noch etwas bewölkt, und ich war um 9.00 en route! Es ging zügig bergauf und am 1.11. war ich auf der Ostseite des Atlas angekommen. Die Nacht habe ich in der Nähe von Zaida auf nem sehr ordentlichen Camp verbracht.
Der Campingplatz ist ca. 6 km ausserhalb von Zaida bei:
N 32 45' 09,2  W 004 55'10,6  auf 1400 m und sieht aus wie eiine große Kasbah, sehr sauber, sehr ordentlich, warme Duschen! Die letzten 10 km dorthin bin ich im Dunkeln gefahren- keine gute Idee, die Straße ist stark befahren, eng und löcherig! Hinter mir sehe ich im Sonnenuntergang, wie von der anderen Seite des Atlas wieder dunkle Wolken aufziehen...aber über mir kommen ab 19.30 nur die Sterne raus.
Die nächsten Tage werden immer schöner, wie erhofft. Jeder Tag, jede Nacht wird etwas wärmer, die Straße bringt mich immer weiter in Marokkos Südosten. In Merzouga campe ich im Ksar Sania bei Mme Francoise. Das Camp ist noch schöner geworden, mit einem großen Gästesaal, Küche, und Ferienwohnungen. Ein halbwegs großer und sehr sauberer Swimmingpool gehört neuerdings auch dazu. Nachdem ich mittags mein Zelt aufgebaut, geduscht, den Pool getestet habe, bin ich natürlich auf die große Düne gekraxelt und hab mir die Welt ne ganze Zeit von dort oben angesehen.

 

 

 

 

Am 7.11. war es dann so weit: Mit 11 Litern Trinkwasser, 4 Broten, Nudeln, Reis und allerhand anderem Zeug gings auf die Piste Interdite in Richtung Zagora. Nach einer anfänglichen Rumpelpiste fuhr es sich recht gut, aber große Teile der Piste waren mit Dünen bedeckt. Ich musste immer wieder neue Wege suchen und finden um nicht durch Sand schieben zu müssen. Etwas navigationslastig die ganze Etappe, aber macht ja Spaß wenns funktioniert! Hinter Ramlia kam dann wieder das dicke Ende in Form von etwa 7 km Fechfech. In Ramlia an der Tankstelle hatte ich bei meiner Colapause von 2 sehr netten älteren Dorfbewohnern genaue Instruktionen zum Umfahren des Sandgebietes bekommen. Ich bin aber wohl zu früh und ins  falsche Flussbett abgebogen- jedenfalls hab ich den Rest des Tages und die erste Stunde des nächsten Tages schiebend, ziehend (und fluchend) verbracht. Danach lief es aber wieder gut. Hinter Ramlia gibt es eine ganze Reihe Camps an der Piste, die allesamt wie Kasbahs aussehen und auch ein mehr oder weniger großes Angebot aan Essbarem bereithalten. Wer will, kann also von einem Campingplatz zum nächsten radeln... Die folgende Nacht war für mich trocken und warm, wie sich das in der Wüste gehört, aber eine Bergkette weiter- Richtung Zagora- hat sich ein Gewitter ausgetobt. Das Leuchten der Blitze konnte ich beim Abendessen vorm Zelt sitzend gut beobachten. Die vorerst letzten 60 km Piste nach Zagora waren auch entsprechend gut gewässert, mein Rad (und ich auch) wurde gut eingeschlammt.
Weil ich am späten Vormittag schon im verregneten Zagora war, bin ich gleich weiter in Richtung M'hamid gefahren. Mit etwas Rückenwind war ich abends 19.30 da! Auf der wenig befahrenen Straße macht auch das Fahren im Dunkeln noch Spaß! Sofort hatte ich meinen Campingplatz vom letzten Mal gekapert, und gleich vom Campchef den Tipp bekommen: Heute und Morgen ist hier Saharafestival, unbedingt hingehen! Na, für den Rest des Freitagabends war ich mit Zeltaufbau, Duschen, Essen kochen und Schlafen vollauf beschätigt... am nächsten Tag hab ich dann meine Campnachbarn aus dem Senegal kennengelernt, die fürs Festival hier hin gekommen sind. Nachdem ich ne Gratis-unplugged-live- Vorstellung von Ihnen bekommen habe, bin ich von ihnen quasi für den Festivalabend "adoptiert" worden. Das    Ganze spielte sich ca. 7 km ausserhalb von M'hamid in den Dünen ab. es gab eine große aus Sand gebaute Bühne, viele Kunsthandwerker die ihre Objekte hier verkauften, Tee und alllerhand Essbares.

 
Am nächsten Vormittag bin ich dann weiter gefahren. Aussehalb von M'hamid empfängt mich die Sahara mit Dünen, wo eine Piste sein sollte...Die Piste führt etwa 10 km durch das Dünengelände und ist halb so schlimm! Anfangs ist es etwas heftig, aber nach etwa 5 km gibt es so was wie einen weg zwischen den Dünen. Ich konnte die Sandfelder ganz gut auf hartem Untergrund umfahren. War mehrmals auf ne Düne geklettert, um zu sehen wie und wo es weiter ging. GPS  hilft bei so was auch nicht viel weiter. Die ersten 25 km waren also etwas navigationslastig, aber wenns funktioniert machts Spaß! Abends bin ich dann zum Campen in der Oase "Source Sacree" eingelaufen- klein, fein gemütlich, netter Patron!
Am nächsten Tag gings weiter durch schöne Wüstenlandschaft und den Lac Iriki bis nach Foum Zguid.
Die letzten 35 km nach F Zguid hatten es in sich: Eine Piste aus tennisball- bis fußballgroßen Steinen (keine Übertreibung!) haben mir und einigen französischen 4x4 Fahrern das Leben schwer gemacht! Stellenweise ging es nur im Fußgängertempo vorwärts, ich wollte mir meine Reifen hier nicht ruinieren. Danach war die asphaltierte Straße ab Foum Zguid für mich eine Offenbarung!
Über Tata gings mit Rückenwind wieder in die Berge nach Igherm und Tafraoute. Ich wollte in die hohle Gasse! Der erste Versuch scheiterte an Nebel, Regen, Wind und Temperaturen um 7 Grad. Am nächsten Tag der nächste Versuch: Anfangs war alles gut, dummerweise wurde der Wind mit zunehender Höhe immer stärker, mit Sturmböen! Nachdem ich zwei mal von Seitenwindböen einfach umgepustet wurde, habe ich auf der Passhöhe bei  Taghrite nach 35 km erneut den Rückzug angetreten.
Die hohle Gasse ist also bei der nächsten Tour an der Reihe!
Aus Tafraoute heraus führt die Straße durch schöne Oasen in schöner Landschaft. Ich bin in Richtung Atlantikküste unterwegs. Mit der Zeit ging es wieder bergauf. Abends um 19.30 komme ich nach 2 Stunden in Dunkelheit und Nebel am Hotel "Kardous" ca 50 km vor Tiznit an. Relativ teuer, aber die einzige Unterkunft weit und breit! Und eine Wahnsinnsaussicht! In der Morgendämmmerung konnte ich die 50 km entfernte Atlantikküste sehen!. Bis da hin gabs aber noch eine schnelle Serpentinenabfahrt und einige km Landstraße... Von Tiznit nach Agadir auf der N1 gabs nur Ackerbau und Viehzucht zu bestaumen. Am nächsten Tag gings wieder bergauf, nach Oulad Barchil. Irgend jemand hat im Forum mal geschrieben, dass das seine Lieblingsstrecke sei.  Meine ist es jetzt auch! Die Straße steigt sanft an, fast nicht spürbar. rechts und links sind grüne Gärten und Felder (streckenweise auch riesige Gewächshäuser). Auch die Temperaturen sind recht angenehm. Und die Versorgungsmöglichkeiten in den Dörfern sind sehr gut!
Den Tiz'n Test habe ich am nächsten Tag überquert. Ich bin morgens um 9.30 bei 30 Grad und blauem Himmel gestartet und habe nachmittags 14.00 bei nebligem, grauem Himmel und 9 Grad den Pass überquert. Auch diese Straße ist recht schön.Streckenweise etwas eng, aber sehr wenig befahren.

Hinter Demnate habe ich mir dann noch die Naturbrücke angesehen. Es gibt einen schönen Wanderweg ins Tal unter der Brücke durch, und auf der anderen Seite wieder hoch. Ein sehr ordentlicher schöner Campingplatz ist etwa 1000 Meter entfernt. Die Gastgeberfamilie ist sehr freundlich und zuvorkommend, sie engagieren sich im sanften Tourismus und bieten mehrtägige Wandertouren durch den Atlas an. Das war dann auch meine letzte Campingnacht in Marokko. Am nächsten Tag gings nach Marakesch, die Stadt die niemals schläft. 3 Tage später war ich wieder zuhause im kalten und regnerischen Deutschland- Schade!


Aber: ich komme zurück nach Marokko! Vielleicht schon nächstes Jahr!    

 
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