Wetterprognose

Reisebericht 2005 PDF Drucken E-Mail
Samstag, 20. Januar 2007
Radreise nach Marokko vom 25.1. - 4.2.2005
 
Selten war die Planung (und am Ende auch die Durchführung...) einer Marokkoreise so schwierig wie in diesem Jahr... 

Zunächst wollten Meike und ich zusammen reisen, nach wochenlanger Lösungssuche (Kinder, Zeitpunkt, Dauer, Route) kamen wir aber überein, dass Marokko als gemeinsames Reiseziel nach vielen Jahren Radreiseabstinenz für Meike nicht erste Wahl ist. Daher planen wir nun eine gemeinsame Radtour in Andalusien im März. 

Viele freundliche Kontakte zu Marokkoreisenden im Vorfeld ergaben wie auch in den Vorjahren frische Informationen und Inspirationen. Insbesondere die gemeinsame Planung der Route von Julius Grossmann (Reisebericht im Gästebereich) ließ stark den Wunsch nach der Befahrung der Grenzroute nach Algerien aufkommen, die aber aufgrund der mindestens erforderlichen zwei Reisewochen, um das ganze nicht zur Hatz gegen die Uhr werden zu lassen, zunächst vertagt werden muß.

Als die Route einigermaßen stand, brachten ungewöhnlich starke Schneefälle bis in die tieferen Lagen die Pläne ins Schwanken. Hektische Nachfragen vor Ort und Berichte anderer Reisender relativierten die Situation: nach wenigen Tagen hatte sich die Wetterlage wieder beruhigt und es ergab sich eine weitere Überraschung...

Nachdem im bikefreaks-Forum weitere Teams sich fanden und austauschten, die in diesem Winter das Land bereisen wollten, nahm eine lockere Absprache vom Anfang des letzten Jahres mit Wolfgang aus Erlangen Form an, einmal gemeinsam nach Marokko zu fahren. Am 12.1.05 schließlich buchte Wolfi den Zubringerflug von München nach Stuttgart und unsere gemeinsame Reiseplanung begann - mit längeren Telefonaten und email Verkehr. Auf was hatten wir uns eingelassen? Ein Experiment unter den hohen physischen und psychischen Strapazen der geplanten Route? 

Dem eigentlichen Start voraus ging dann noch die längste Krankschreibung meiner Berufslaufbahn, eine brutale Mandelentzündung raubte mir über 10 Tage sämtliche Kraft, selbst am Tag vor der Abreise hatte ich noch Pudding in den Beinen...

25.1.05

Route 2005Am Anfang hatten wir Glück: wäre der Flug einen Tag eher erfolgt, hätte ich Wolfi wohl nie getroffen, München versank im Schnee. So konnte ich aber ihn gegen 7:45 am 25.1.05 am Stuttgarter Flughafen begrüßen. Er hatte am Abend zuvor den Husarenritt durchs frostige, verschneite Bayern mit 114 km Anreise zum Münchner Flughafen per Rad gewagt, der durch ein ausgerissenes Ventil einen Ersatzschlauch gekostet hatte.

Der Abflug nach Agadir verspätet sich wegen zweier Nachzügler geringfügig, aber der Jetstream lässt die Verspätung einholen. Dank Meikes Sandwiches kommt auch kein Hunger auf... Im Anflug auf Agadir sitzen wir als Profis links in der Maschine, um die Schneelage zu beurteilen, die überraschend gering ist, selten war der Hohe Atlas so wenig weiß! Außer Wolfis abgebrochener Lampe sind keine Verluste an Rad und Taschen zu vermerken.

Auf unserer Treffen mit Hassan, der uns mit seinem Kumpel nach Aoulouz bringen will, warten wir eine halbe Stunde länger als geplant, aber letztlich zwängen wir die Räder in einen kleinen Citroen Kastenwagen, nicht ohne einiges demontieren zu müssen. Aufgrund der zu erwartenden Probleme mit der Polizei war der eigentliche Transporteur tags zuvor abgesprungen...

Über einige kleine Umwege (man wollte die weisen Ratschläge des Deutschen nicht annehmen...) erreichen wir trotz mehrfacher Probleme mit dem Ventilator im Motorraum den Ausgangspunkt der Tour, begleitet von interessanten Gesprächen mit Hassan, der sehr gut Deutsch spricht. Ein gemeinsames Getränk in einem Café in Aoulouz beendet unser kleines Geschäft - ohne Polizeikontrollen... Wir brechen auf zur ersten Etappe, hinauf zum Stausee von Aoulouz, fahren noch etwa 20 km in leicht hügeliger Landschaft, Tendenz bergan, auf denen die üblichen Feinjustagen (Bremsen, Tacho, Schaltung) einer Tour erfolgen. Direkt neben der Straße entdecken wir einen unspektakulären, aber praktischen Übernachtungsplatz. 

26.1.05

Wundersamerweise begann mit unserer Nachtruhe aus der Stille der Berge beste Discomusik zu dröhnen, von der wir auch am nächsten Morgen nicht erfahren konnten, wer oder was sie erzeugt haben könnte - schon skurril! Bei angenehmen 8°C kocht Wolfi einen Kaffee und wir pumpen sein Vorderrad auf, das irgendwie chronisch Luft lässt. Beim Forsthaus Idrgane geht links eine neu asphaltiertes Sträßchen ab zum Staussee, das sich ca. einen Kilometer weiter in einer bestens trassierten Piste fortsetzt, die sich angenehm an Höhe gewinnend bald weit über den See hinaus erhebt und wunderschöne Blicke in die Umgebung und hinab in das Tal des Asif Tifnoute zulässt. Die von der Karte übertragenen Wegpunkte sind zuverlässig und wiegen uns in Sicherheit, auf der richtigen Strecke zu sein. Bis Aguerd-n-Ougadir geht diese ca. 6 m breite Trasse weiter, hier im Ort stehen zahlreiche Taxis, sogar kleine Busse schaffen es regelhaft hierher. Im Ort Endzeitstimmung, Staub, Musik in der Luft, alles sehr entspannt, ich bekomme langsam Afrikastimmung. 

Auch unsere den Vorwärtsdrang hemmenden Problemchen sind schnell behoben. Bei Wolfi war es ein loses Ventil, das den Luftverlust bescherte, meine springende Kette krankte an einem steifen Glied. Teilweise waren in dem sehr welligen Profil kräftige Anstiege zu überwinden, die mit meinen noch nicht ganz auskurierten Puddingbeinen und dem ungewohnten Gepäck zu meistern waren.

Wenige Kilometer nach dem Ort hat ein Erdrutsch offenbar vor kurzem die Strecke verlegt, unmittelbar nach der Engstelle ist die Piste nur noch halb so breit und in deutlich schlechterem, aber immer noch gutem Zustand. Mehrfach müssen wir aufgrund starker Anstiege wenige Meter schieben. Einmal verpassen wir den eigentlich sichtbar besser trassierten Abzweig nach rechts und fahren gut 2 km in die falsche Richtung, eine Gruppe Jugendlicher ist so freundlich, uns auf den Fehler hin zu weisen - GPS ist gut, Kontrolle ist besser!

Als wir einen Bach passieren, nutzen wir die Gelegenheit zu einer Wäsche in der warmen Mittagsonne, denn angesichts der kühlen Temperaturen wird die abendliche Körperpflege zur Qual.

In Assarag versuchen wir vergeblich Brot zu kaufen, nach einem kurzen Caféstop ergattern wir ein paar klebrige Kuchen und rollen gestärkt weiter. Die Kulisse indes ist gigantisch: Majestätisch schieben sich die 3800er und 4000er jetzt im Westen ins Bild, erstaunlich wenig Schnee ist zu erkennen. Beim Durchfahren einer der zahlreichen kleinen Bäche, die die Piste queren hole ich mir völlig unprofessionell einen "Nassen". Daher nutze ich den kurzen Stopp in Imlil, das entgegen der Michelinkarte, direkt an der Hauptstrecke liegt, zum Trocknen, während Wolfi durch den Ort geistern, in dem aufgrund eines Marktes reges Treiben herrscht, um Brot zu organisieren.

Mit Hilfe eines freundlichen Alten gelingt dieses dann auch, ich nutze auf einer Mauer sitzend die Gelegenheit, das Ganze auf mich wirken zu lassen. Die schon tief stehende Sonne taucht alles in ein großartiges Licht, überall wieseln Esel, Kinder, Männer, Touren zum Lac d´Ifni werden angepriesen, es gibt ein kleines Hotel, Auberge wäre besser. Über Azrou (2000m) und Issoual (2100) geht es weiter steil bergan, ich kann verstehen, warum Christoph, der die Strecke im letzten Jahr gefahren war, von längeren Schiebepassagen berichtet hatte. Wir kommen meist mit Hängen und Würgen über die Kuppen, ohne abzusteigen. Zunehmend zeigen sich wieder Wolken, nachdem seit dem Mittag etwa die Sonne Oberhand gewonnen hatte.  Auf 2200 m finden wir kurz vor der höchsten Stelle der Strecke einen traumhaften Übernachtungsplatz auf einer Wiese mit Bächlein. Wir essen unsere Schinkenfleckerl im (!) Zelt, da es unangenehm kalt ist. Die fast vollständige Bewölkung lässt auf eine "warme" Nacht hoffen.

27.1.05

Ein unglaublicher Sturm lässt uns erwachen. War die Kälte kein Problem in der Nacht, so flösst die Wetterküche am Toubkal mächtig Respekt ein. Die Wassersäcke und große Teile des Baches sind dennoch gefroren. Wir klettern die letzten Höhenmeter zur 2270 m hoch gelegenen Paßhöhe hinauf. Eine eindrucksvolle Lichtstimmung lässt die Herzen höher schlagen, wenn nur diese böigen Fallwinde nicht wären. Mehrfach werden Wolfi und ich einfach so umgeblasen, ohne dass wie den Hauch einer Chance haben, gegenzuhalten. Angesichts der vielen steilen Abhänge und der ungesicherten Piste kein wirkliches Vergnügen - nur schnell weiter. 

Aber die Strecke hält sich wider Erwarten dauerhaft weit über 2000 m, kein schneller Abstieg, wie erhofft! Über uns wolkenloser Himmel, aber dennoch flattern überall weiße Flöckchen, wir sind nicht sicher, ob es Rußpartikel der vielen Feuer in den Lehmhütten oder Schneegriesel sind. Nach 25 km, etwa 2 km nach Sour, welches merkwürdigerweise gar nicht an der Hauptpiste liegt, wollen wir pausieren, Wolfi einen Kaffee kochen. Aber der brutale Wind lässt den Kochvorgang nicht zu. Freundlicherweise lädt uns der Besitzer einer an der Strecke gelegenen Teleboutique zu vielen köstlichen Gläsern Minztee ein - ein Café suchten wir schon seit längerem vergebens. Sogar Madeleines dürfen wir dazu essen!

Wenig später ist klar, dass wir mehr und mehr in einen Schneesturm geraten. Die Flocken werden dichter, bleiben nicht überall liegen, aber beginnen sich bereits an Steinen und Hängen zu sammeln, werden vom Wind über die keinen Schutz bietenden Pläne gepeitscht. Hektisch beginnen wir den Abstieg, dabei löst sich eine meiner PET-Flaschen aus dem Halter und bekommt beim Sturz auf einen Stein ein Loch, schöner Mist. Ich rette den Inhalt und fülle ihn in eine andere Flasche um. Endlich, nach 40 km und vergleichsweise schwieriger Orientierung, zum Glück mit Unterstützung von einigen Wegpunkten auf dem GPS, erreichen wir Agouim auf 1700 m Höhe, dort sind gerade einmal 1,5°C, so daß wir gleich weiter bergab fahren und den geplanten Caféstop vertagen. 30 km sausen wir die Südrampe des Tizi-n-Tichka mit herrlichem Rückenwind bergab. In Amerzgane gibt es Brot, Streichkäse und Softdrinks, vom Besitzer des Etablissements gebeten, ein Vorderrad aufzupumpen, bricht an diesem leider das Ventil aus dem Schlauch...

Auf den letzten 37 km nach Ouarzazate haben wir stellenweise solch heftigen Seitenwind, dass es kaum gelingt, auf der Fahrbahn zu bleiben, bzw. nur in 45° Schräglage zu fahren. Auf einer Gepäcktour habe ich persönlich noch nie solch starken Wind erlebt. Die Taschen bieten einerseits große Angriffsfläche, andererseits bringen sie auch ein gewisses Gewicht auf die Straße, das das Fahren überhaupt erlaubt. Beängstigend auch der Staubsturm, in den wir geraten mit vielleicht 15 m Sichtweite... 

Endlich  erreichen wir die große Stadt, von deren Campingplatz ich weiss, dass ihn große Mauern umgeben, genau das richtige bei diesem Wetter - eine freie Übernachtung wäre sinnlos gewesen. So beziehen wir heute bereits um 17.00 h unser Quartier, wollen abwarten, wie Wind und Temperatur sich entwickeln. Hier haben wir die Möglichkeit, problemlos nach Süden weg zu biegen... Auf dem Platz ca. 30 große Wohnmobile aus allen Nationen, interessante Individualtouristen gibt es leider keine, aber eine heisse Dusche und die tut gut, schnell sind alle Qualen des Tages vergessen! Zur Feier des Tages besorgt Wolfi noch eine große Coke und nach dem Essen klönen wir noch ein Stündchen im Zelt. Der starke Wind hatte wie üblich mit dem Sonnenuntergang nachgelassen.

Profil der Atlasetappen

28.1.05

Irgendwie ein unschöner Tag. Nach einer guten und ruhigen Nacht brechen wir gegen 7.00 h gen Osten auf, wollen die Straße der Kasbahs nach Tinerhir fahren, den Ursprungsplan, die Piste am Fuße des Ighil M´Goun zu fahren, hatten wir wegen der bestialischen Kälte längst verworfen. Wolfi wirkt topfit, locker pedaliert er gegen den eiskalten Wind, der uns entgegen drückt. In der Ferne ziehen dunkle Wolken auf, ohnehin scheint es in der Nacht ziemlich geschneit zu haben, die Atlaskette ist von einem lupenreinen weissen Kleid überzogen! Nach 9 km gelingt es mir Wolfi vom Unsinn unserer Aktion zu überzeugen, auch wenn ich gerne Edi in Tinerhir besucht hätte, so siegt die Vernunft: wir drehen um und beschliessen die "Südvariante"...

Frisch gestärkt von Baguettes in Ouarzazate machen wir uns auf den Weg nach Zagora. Aber diese Tour wäre nicht diese Tour gewesen, wenn nicht auch hier uns bald ein grabeskalter Gegenwind in die Knie gezwungen hätte. Für die letztlich folgenden 70 km nach Agdz brauchen wir fast den ganzen Tag. Es bleibt wenig Reserve die Landschaft zu geniessen, die sich durch nun immer trockener und vegetationsärmer werdende Gesteinsformationen auszeichnet, zu lästig ist der Kampf mit Kälte und Wind. Nach einer Stärkung bezwingen wir den ca. 1500 m hohen Vorpaß des Tizi-n-Tinififft und erreichen Ait Saoun, wo wir bei Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt eine längere Pause in einem Café einstreuen.

Am Paß selber auf 1700 m herrscht fast Windstille, durch eine grandiose Erosionslandschaft geht es bergauf.  An einer Stelle wurde die komplette Straße weggerissen, wo durch das Oued führte. Eine umständliche Umfahrung der Unterbrechung wurde hergerichtet. An einem Aussichtspunkt kann man in der Ferne schon den markanten Hausberg von Agdz, den Djebel Kissane erkennen.

Auf der Abfahrt treffen wir einen marokkanischen Rennradler mit gewissem Gepäck. Er berichtet von einem Besuch seiner Schwester und dass er heute bereits von Zagora bis hierher gekommen sei. Trotz einer schönen STI-Einheit besitzt er keinen Tacho, aber die Kilometersteine stehen ja aller Orten, so auch hier! Die abfahrt hinunter nach Agdz ist angenehm, leider wird es aber auch hier nicht wirklich wärmer. Der Ort ist seit dem letzten Besuch erheblich nach Norden expandiert, auch ist die alte Piste nach Tazenakht nun seit zwei Jahren asphaltiert. Wir informieren uns im Internetcafé (1 h = 7 DH) über die Wettervorhersage. Leider ist keine Änderung in Sicht, daher auch unser Entschluß, erneut einen geschützten Campingplatz aufzusuchen. Jetzt am frühen Nachmittag sind gerade 6° C in Agdz, dem Tor zum Draatal, einer der wirklich wärmsten Regionen Marokkos! 

Der Campingplatz "Kasbah de la Palmerie" liegt recht schön im Ostteil der Stadt, betrieben wird er von einer multilingualen, sehr freundlichen Familie. Außer uns finden sich nur eine Handvoll Wohnmobile hier ein. Auf der Sonnenterrasse am "Pool" bekommen wir noch jede Menge Tee zum Aufwärmen serviert. Beim Aufbauen des Zeltes bricht an einer Zeltstange ein Teil ab, zum Glück können wir es recht vernünftig flicken.

Als ich nach dem Essen (endlich war es uns gelungen Apfelsinen zu ergattern) abwasche, bricht im Palmenhain ein Feuer aus, dem einige Bäume zum Opfer fallen, aber Dank Wolfis Hilfe wird es schnell gelöscht. Irgendwie gelingt es mir dann noch den Duschboiler zu aktivieren, aber Wolfi verzichtet aufgrund der beissenden Kälte und geht schon schlafen.

29.1.05

Nachts um 2.00 h gratuliert mir Wolfi zum Geburtstag, als er von der Toilette wiederkommt. Beim Aufstehen zeigt das Thermometer -6,8°C. Nicht zu fassen! Selbst in den Trinkflaschen ist das Wasser völlig gefroren, ich ziehe alles an, was ich dabei habe: zu der seit zwei Tagen obligaten Gore-Regenjacke noch ein zweiter (!) Fleecepulli über dem Trikot. Außerdem grabe ich meine normale lange Hose aus, auch sie muß heute ran... So kommen wir etwas später als sonst gegen 7:30 h los. Die ersten 30 km legen wir bei völliger Windstille zurück, am Abzweig nach Nekob machen wir eine erste Pause. Hier stehen jede Menge Sammeltaxis, die den öffentlichen Transport sicherstellen, zudem haben fliegende Händler ihre Stände aufgebaut, überwiegend werden Datteln angeboten, große Kartons mit ca. 1500 g köstlicher Zagora-Datteln. Ich erstehe sogleich einen für 20 DH, eine gute Wegzehrung für die kommenden Wüstenetappen. Als wir gegen 10:30 h weiterfahren, sind knapp 2°C. 

Die Fahrt durch das Draatal, welches als eine der reizvollsten und häufig von Reisegruppen besuchte Region Marokkos ist, ist nach dem gestrigen Tag der Ödnis durchaus abwechslungsreich. Zahlreiche kleinere Weiler und Dörfer mit teils mächtigen Lehmkasbahs werden durchfahren. Die auffällig intensive Beschmückung vieler Gebäude mit roten Fahnen und grünen Bannern lässt auf irgendeinen bevorstehenden Festakt schließen, oder ist vielleicht noch Relikt des gerade beendeten Hammelfestes. Aber auch hier, wie auf der gesamten Reise, ist oft wegen der ungewöhnlichen Kälte selten ein Mensch am Vormittag auf der Straße unterwegs. 

Kurz vor Zagora frischt der Wind auf und kommt - natürlich - wieder stärker von schräg vorne. Ich fühle mich schlapp, das rechte Knie schmerzt merkwürdigerweise. In einem Café lese ich meine Geburtstags-sms und wir knabbern an Schokocroissants. Da hinter der Stadt die Strecke ihre Richtung wechselt, beschliessen wir noch ein wenig zu rollen. Vorbei an den Dünen von Tinfou können wir Dank des nun mehr und mehr drehenden Windes noch einige Kilometer gut machen. Die Straße hat hinter Zagora nunmehr nur noch die Breite einer Spur, entsprechend hat auch die Verkehrsdichte abgenommen - ans Ende der marokkanischen Welt fahren nicht alle - zum Glück.

Leider führt die Verlängerung der Straße nicht durch die Talenge, die Djebel Bani und Tadrart bilden, so hätten wir sicher einen halben Tag sparen können... Gegen den starken Wind dreht die Straße nun um fast 180 Grad, vorbeirauschende Landcruiser sanden uns total ein und zu guter letzt müssen wir uns noch einen kleinen Paß mit gut 200 Höhenmetern hochquälen...

Schwierig auch die Biwakplatzsuche an diesem Tag, direkt auf dem Paß lässt sich nicht Vernünftiges ab der Straße finden, so dass wir fast noch die 150 km auf unserer heutigen Königsetappe voll machen müssen, um endlich einen schönen, ruhigen Schlafplatz zu finden. 

Als Gute-Nacht-Geschichte macht nun der Benzinkocher Zicken und zu allem Übel schmeisse ich auch noch 1/3 des Inhaltes unseres Topfes auf dem Boden, dabei war das von Wolfi ins Spiel gebrachte Reisgericht süß-sauer eines der besten unserer Tour...

30.1.05

Frohlockend erwachen wir bei knapp 2 Grad - zu früh gefreut! Auf den folgenden Kilometern gen Tagounite erreichen wir problemlos -5,2°C...

Im Ort selbst, der aufgrund der Kälte noch völlig im Dornröschenschlaf liegt, lassen wir uns den Bäcker in einem Hinterhof zeigen und kaufen 10 noch heisse Brote. Um zum zweiten großen Highlight unserer Reise zu kommen, müssen wir nun allerdings 4 km zurück auf bekannter Strecke und steigen dann in die von Julius Grossmann vorsondierte Piste ein. Zunächst bis Nesrate geht es durch eine große Palmerie mit zahlreichen Sanddünchen, Bewässerungskanälen und verwunschenen Orten. Leider gelingt es uns nicht, den korrekten Einstieg in die freie Ebene zu finden und so irren wir eine gute halbe Stunde vergeblich durch ein Gewirr von Gassen und Anpflanzungen, was ein bißchen Nerven und Stimmung strapaziert.

Schließlich gibt es aber doch noch einige Ortskundige, die uns den rechten Weg weisen. Kaum auf diesem eingespurt, nähern wir uns auch stetig dem nächsten korrekten Wegpunkt und wir befinden uns in einer weiten Ebene mit einer flachen, gut ausgebauten Piste, die im Osten zwischen zwei Massiven hindurch auf den mit Freude erwarteten "Kraterrand" der "Tafenna" zuhält. Der Aufstieg ist überraschend steil, mehrfach müssen wir aus dem Sattel und schieben, trotz Rückenwinds. Einmal oben angekommen geniesst man einen grandiosen Blick in den Krater, mit ein bißchen Glück kann man auch den Brunnen Hassi Tafenna genau in der Mitte ausmachen. Kurz vor dem Brunnen auf rauschender Schußfahrt treffen wir den ersten der drei Mopedfahrer der beiden Tage auf dieser Piste - ansonsten werden wir kein (!) weiteres Fahrzeug zu sehen bekommen.

Ich fülle einen Wassersack und dusche rasch hinter einer Lehmhütte, anschließend essen wir zusammen jede Menge leckerer Dinge. Über den anderen Kraterrand arbeiten wir uns weniger mühsam hinauf, auf dem weiteren Weg zum Fort Zguilma nutzen wir mehrfach vorhandene Mofaspuren, die das Vorankommen erheblich erleichtern. Ansonsten ist die Piste wechselnd sandig, wellblechig und steinig, insgesamt aber in einem überraschend guten Zustand, lediglich direkt beim Fort ist eine ca. 500 m lange unbefahrbare Weichsandpassage zu überwinden. Kurz vor dieser fällt uns auf, dass sich von Wolfis Gepäckträger ein gefüllter 2 L Wassersack gelöst hat! Angesichts des nahen Forts beschliessen wir, diesen als Opfer an die Piste zu akzeptieren.

Hunde schlagen an, als wir um die Ecke biegen, eine Kette versperrt die Durchfahrt, hier erfolgt die Registration der Daten, der grenznahe Verlauf der Route gebietet es so. Allerdings reichen heuer die Daten eines Reisenden und die früher üblichen Fragen nach Beruf, Alter des Vaters, Motivation usw. entfallen. Auch bekommen wir auf unseren Wunsch einiges an Trinkwasser aufgefüllt, der Verlust des Vorrates erfolgte also zur rechten Zeit - al hamdulilah!

Dank des heute einmaligen und auf der Tour einzigartigen Rückenwindtages fliegen wir noch viele Kilometer nach Nordost, preschen mit hoher Geschwindigkeit durch Stücke, die wir am nächsten Tag nur schiebend überwinden werden, eine immer wieder vernünftig ausgebaute Piste erlaubt gutes Vorankommen. Großartig ist die Weite, die Einsamkeit in der abendlichen Stimmung, lila und purpur, rosa und ockerfarben leuchten Piste und Himmel. Genau bis zu einem Gräberfeld reicht unser Elan, dort bauen wir im letzten Licht das Zelt mitten auf der hier breit ausgefahrenen Piste im Schutze eines größeren Busches auf.

31.1.05

Wieder knapp -3° läuten einen der schlimmsten Tage der Tour ein. Die Piste entpuppt sich auf den nächsten 30 km als extrem anstrengend. Wie an einem Gummiband zu fahren ist das Gefühl auf dem tiefen Boden, in dem wir eine deutliche Spur hinterlassen, man muß mächtig in die Pedale treten, um voran zu kommen. Zusätzlich macht der gleiche Wind, der gestern von hinten kam, heute die 15 km/h Schallmauer zur olympischen Disziplin. 

Die Piste fächert sich breit auf, im Prinzip existiert sie stellenweise gar nicht, da die breiten Hochebenen auf gesamter Breite eine gleich bleibende Qualität bieten. Weite Sandstücke von zum Teil einigen Hundert Metern führen zu Auf - und Absteigen im steten Wechsel. Beim Frühstücksstop besucht uns ein "Nomade" mit seinem Moped, der zur Feier des Tages zwei Polaroidfotos enthüllt, die ihn auf einem Kamel in den Sanddünen bei Merzouga zeigen! Wolfi hat mit dem ersten echten Platten Pech, eine Akaziendorn hat sich seitlich in die Karkasse gearbeitet.

Das Fort Tamassint hätten wir vielleicht gar nicht gesehen, wenn wir nicht die Koordinate gehabt hätten, weit westlich liegt es am Rand einer breiten, völlig flachen Reg-Ebene, auf der wir schwänzelnd daherdriften, immer versuchend, nicht zum Halten zu kommen. Leider haben wir hier erheblich Orientierungsprobleme, da wir nicht wissen, ob ein regulärer Abzweig nach Westen kommt, da wir nach Oum Jrane oder Tissemoumine abbiegen wollen. Ein breiter, aber zum Glück recht flacher Dünengürtel versperrt Einblick und Einfahrt in diese Richtung.

Schon ärgere ich mich, nicht einfach nach Tamassint gefahren zu sein, da beschliessen wir einfach schiebend die Dünen zu queren. Nach wenigen Minuten erreichen wir eine riesige, weitere Reg-Ebene, auf der wir die nächsten 20 km einfach nach Peilung auf Oum Jrane zuhalten. Wenn das ganze wegen des lockeren Bodens nicht so anstrengend wäre, könnte es direkt Spaß machen, immerhin haben wir den Wind jetzt eher von hinten. Immer wieder kreuzen einzelne Fahrzeugspuren oder ganze Bündel unseren Weg. Eine echte Hauptpiste lässt sich aber beim besten Willen nicht ausmachen. Beim ersten Stopp in der Mitte der großen Einöde dann der Schock: Wolfis Hinterradfelge hat einen breiten, flächigen Defekt, einfach "durchgebremst". Jeder kennt das Gefühl, das einen in dem Moment befällt: eine Mischung aus Ärger, Verzweiflung und Hoffnung. "Es hätte ja schon eher passieren können - warum habe ich die Felge nicht gewechselt - reicht es noch in den nächsten Ort?"

Es reicht. Wir erreichen durch ein großes mit vielen Akazien bestandenes Oued Oum Jrane. Nach ein wenig Suchen ist auch der Ortskern ausgemacht, es gibt sogar ein größeres Geschäft. Der Besitzer hat einige Jahre in der Nähe von Bergamo gearbeitet und versteht mein rudimentäres Spanisch, ich sein breites Italienisch... Im Ort sind wir die Sensation. Alles gafft uns an, und da alle Männer des Ortes auf dem Boden oder an einer Hauswand lümmeln, kommt man sich ein wenig komisch vor. 

Direkt vor der Weiterfahrt ist Wolfis Vorderrad platt, auch meines bedarf einiger Luftstöße. Nachdem uns Italo-Brahim mittels Vespa auf die Spur nach El Fecht gesetzt hat, ist einen Kilometer weiter wieder der Reifen platt. Nun muß geflickt werden, hierbei nerven einige Jungs aus dem Ort derart, dass der arme Wolfi völlig die Lust am Basteln verliert und wir gemeinsam die Typen in die Schranken weisen müssen. Zu allem Überfluß stirbt Schlauch Zwei mit einem ausgerissenen Ventil - logischerweise nachdem wir geflickt haben.

Im nun schon letzten Sonnenlicht setzen wir die Fahrt durch eine schöne rot leuchtende Wüstenlandschaft fort, allerdings reicht das Licht kaum noch für 15 km, dann ist es dunkel und El Fecht haben wir nicht gefunden. Dafür einen Traumplatz in der Hammada. Wolfi hat mal wieder einen Platten, ich derweil auch, wir flicken wegen der lästigen Windgeräusche und der Kälte im Zelt.

1.2.05

Wir kommen kaum aus den Federn, eine echte Waschmaschinennacht. Wenigstens haben alle Reifen Luft!

El Fecht gibt es nicht, am von der IGN 1:200 000 abgelesenen Wegpunkt ist nur endlose Weite, kein Haus, kein Baum! Die Piste schlängelt sich weiter über zahllose Hügel, an Örtchen vorbei, einmal sehen wir eine alte verfallene Siedlung mit einer mächtigen, gut erhaltenen Kasbahanlage. Auf der Suche nach der eigentlich erwarteten Asphaltstraße treffen wir einen Gastarbeiter, der in Spanien tätig war... Einige Strecken der Umgebung werden für die Befestigung vorbereitet. Nahe Ait Saadane biegen wir erleichtert auf die Strecke Erfoud - Draatal (N 12) ein. 

Irgendwie geht heute gar nicht bei beiden. Wir zuckeln beschaulich drei Kilometer, bis in einen Ort und finden zwei kleine Läden, in dem einen gibt es Riegel (Tango, Tagger usw.) in dem anderen mixen wir unsere fast schon traditionelles Spezi. Wieder ist es so kalt, dass selbst jetzt, am späten Vormittag, man es ausschließlich in der Sonne aushalten kann.

Auf der Weiterfahrt motivieren wir uns durch Führungswechsel alle 2 km, um die fehlenden 30 nach Tazzarine schnell wegzufahren. Unterwegs überholen uns zwei Deutsche Womos, als diese später am Rand stehen, beschließen wir nach einem Lift zu fragen. Aber wie immer in solchen Situationen, erhält man nur inadäquate Belehrungen oder gute Tips, eine wirklich Hilfe sind solche Landsleute nicht, die schon mal bezweifeln ob die Räder in die 6 m langen, von 2 Personen bewohnten Teile überhaupt reinpassen. Leute, die hätten selbst in meinen Mini-Transit mit 4 Personen gepasst - aber dennoch vielen Dank für das Gespräch.

Nach einem kurzen Caféstopp in Tazzarine bekommen wir zufällig mit, dass ein Bus gen Agdz fahren soll. Da die Zeit für den Rücktransfer inzwischen gekommen und unsere Motivation weitere km bei 5° gegen den Wind zu fahren ein wenig abgenommen hat, sitzen wir flugs darin und lassen uns nach Tansikht, dem Kreuzungspunkt der Route mit dem Draatal chauffieren. Dort wechseln wir zügig in ein Sammeltaxi und stehen gegen 15.00 h auf dem Marktplatz in Agdz. Hier palavern wir kurz mit Mustafa, einem Andenkenladenbesitzer, der uns wiederum mit dem Chef der Sammeltaxistation zusammenbringt. 

Plötzlich steigt der Preis für ein Taxi nach Tazenakht: eine seltene Strecke, morgen kommt der König den Süden besuchen, es ist schon spät usw. inchallah! Kaum Verhandlungsspielraum ist im Preis, aber letztlich fährt ein klappriger Peugeot 504 mit uns darin vor der Gendarmerie vor, um ein "Authorisation" für den Transfer zu beantragen. In der Tat ist die Route erst vor gut einem Jahr asphaltiert worden und die Nachfrage aus alter Tradition eher gering. Wir sehen keine 10 Fahrzeuge auf den 90 km durch schwarz lackierte Steine und in verschiedenen Farben schimmerndes Gestein - nicht umsonst liegen hier große Minen.

Wir erreichen Tazenahkt im herrlichen Abendlicht, kurz vor Sonnenuntergans, füllen in wenig Wasser und Vorräte auf und stehen knapp 300 km vor Agadir uns haben noch 2 1/2 Tage Zeit - perfekt! Der Rückenwind schiebt uns noch 5 km hinaus, wir sind guter Hoffnung für morgen. Leider spinnt wieder ein wenig der Kocher und ich muß ihn mal wieder vollständig zerlegen, aber irgendwie zaubern wir noch eine Suppe und ein Spaghettigericht darauf.

2.2.05

Wir wachen bei -6,1° C auf. Da wir uns völlig zertreten fühlen, sind wir sicherheitshalber schon mal ein Stündchen länger liegen geblieben, und dann das! Durch schnelles Einpacken brauchen wir nur knapp 30 Minuten zum Loskommen. Langgezogene Steigungen über Hochebenen, ein eiskalter Gegenwind zusammen mit unseren inzwischen leichten grippalen Infekten machen das Fahren zur Qual. Nach 15 Kilometern an einer namenlosen Siedlung mit Tankstelle und einigen weiteren Häusern versuchen wir einen Frühstücksstopp, es hat aber gerade ein Grad, so das das ganze eher kurz ausfällt. Vor unserer Nase fährt ein Bus weg, den wir bei besserer Gelegenheit vielleicht hätten nehmen sollen.

Das auf der Karte suggerierte Höhenprofil mit zwei Pässen (1600 und knapp 1900 m) ist eher theoretischer Art. Über lang gezogene Hochebenen mit Schneeresten pendelt die Straße zwischen 1700 und 1800 m Höhe. Ein Schäfer bittet uns um Wasser, ein anderer später labt sich an unseren Apfelsinen. Endlich: der Abzweig nach Agadir Melloul im Süden, wenig später kippt der Asphalt und es geht in langen Serpentinen hinab nach Taliouine. Auch die Berechung der Temperaturen dort bleibt theoretische Natur: statt 0,7 °C/ 100 m erwärmt es sich nur unmerklich, am Ende sitzen wir bei 12° C in einem Café oberhalb des Taxistandplatzes in der Sonne - herrlich. Es gelingt uns einen köstlichen Topf Kefta in Zwiebelsauce zu bekommen, 25 DH für zwei Personen... Ich bin heute völlig platt, will nur noch im Taxi weiter, um mich in den nächsten zwei Tagen vielleicht ein wenig zu erholen. Wir erwischen ein Fahrzeug nach Taroudannt und treffen dort gegen 16.45 h am zentralen Bus- und Taxibahnhof ein. 

Mittels GPS driften wir locker durch das Gewirr der Gassen und steuern zielsicher das Hotel/Café Les Arcades an, wo wir ein Zimmer beziehen. Nach einer kurzen Klamotten - und Körperwäsche machen wir einen langen Spaziergang durch die Souks, kaufen Orangen, Paprika, Brot und Cola, um dann auf der Dachterrasse des Hotels ein Mahl zu kochen.

Noch lange brodelt das Leben am nahen Place Assarag...

3.2.05

Man hat mir die Luft rausgelassen! SO fühle ich mich heute, antriebsarm, schlapp, leichtes Fieber. Trotz einigermaßen geschlafener Nacht bin ich unmotiviert weiterzufahren. Wir lassen es locker angehen, bummeln herum, frühstücken fettige Kringel in einer Straßenbude. Ich überrede Wolfi noch zu einer Bartabnahme bei einem sehr geschickten Barbier, eine sehr entspannende und erfrischende Aktion. 

Gegen meinen inneren Willen packen wir und machen uns gegen Mittag locker auf den Weg. Zunächst spült uns der Verkehrsstrom in die Sousebene, kaum dass wir die neue Direttssima zum Flughafen erreicht haben, wendet sich der Wind mit gleichmäßiger Kraft gegen uns und ich versuche in Wolfis Windschatten mitzukommen. Nach 23 km in Sebt Guerdane, weiss ich, dass es ein Fehler war. Ich frage nach einem Hotel, einem Taxi zum, Flughafen, alles das gibt es hier nicht, also mit letzter Kraft weiter. Irgendwann kann ich mich für ein paar Kilometer an einen Trecker hängen, aber auch das ist bei dem Wind recht anstrengend und nicht ungefährlich. Immerhin nehme ich Wolfi, der meinen Antritt (Dank Spiegel) so schnell nicht mitbekommen hatte, ein paar Minuten ab und warte später auf ihn.

Irgendwann erreichen wir einen günstigen Lagerplatz ca. 10 km entfernt vom Rollfeld. Ich falle entkräftet auf den Boden und will nur meine Ruhe. Schnell verkrieche ich mich ins Zelt, während Wolfi versucht, etwas zu kochen, aber das gelingt nicht, der Kocher hat den Urlaub schon beendet.

4.2.05

Eine letzte kalte Nacht, selbst hier nur gut ein Grad, alles ist klitschnaß bzw. vereist, wie die Taschen an den Rädern. Die letzten 11 km sind schnell erledigt wir hängen noch ein paar Stunden an der nagelneuen Tankstelle direkt östlich des Terminals ab. Unvorstellbar, was es hier alles gibt: einen riesigen Kinderspielplatz mit Rasen, einen Shop an der Tanke mit mitteleuropäischem Sortiment, die Kellner registrieren mit Touchpads, großzügige Sanitäranlagen, es ist wie im falschen Film...

Nach dem Check in kaufe ich einige Fossilien und wir beobachten nach Passieren der Paßkontrolle die Landung der Maschine aus Stuttgart, in der zwei Bekannte zu einer Radreise ankommen, die ich aber nicht entdecke.

Wie ich am Ende nach Hause gekommen bin, weiss ich nicht mehr genau - nur das es mir total bescheiden erging und ich froh war, in Hamburg zu Meike ins Auto steigen zu können. Alles Gepäck hat unversehrt den Rückweg gefunden, auch das völlig unverpackte Rad.

Abgesang:

Von meinen nunmehr 9 Marokkoreisen per Rad war dieses leider die unschönste, was weniger an der Streckenplanung, als an meinem gesundheitlichen Zustand und den extrem kalten und windigen Witterungsbedingungen lag. Es ist schon erstaunlich, dass angesichts dieser Rahmenbedingungen die Reise mit Wolfi, den ich zuvor noch nie gesehen hatte, nicht zu einem Desaster wurde. Unsere große Routine und Gelassenheit hat letztlich für einen insgesamt reibungslosen Ablauf der Tour gesorgt.

Ich habe mindestens zwei neue und sehr interessante Pistenabschnitte kennen gelernt:

- die "Toubkalrunde" hat mich extrem beeindruckt, landschaftlich einerseits, von Ihrer Steilheit und dem schweren Profil her aber auch. 

- die Grenzpiste mit Kraterbefahrung hat eine ungewöhnliche Einsamkeit beschert, auf keiner marokkanischen Strecke bisher habe ich an zwei kompletten Tagen kein Auto gesehen. Die Strecke mit ein bißchen mehr Muße bei Temperaturen um 20°C zu fahren bleibt ein Traum...

Das Land war ausgesprochen leer, kaum Touristen, quasi keine Individualfahrer, die Kinder waren überdurchschnittlich zurückhaltend und wenig präsent. Die Preise sind weiterhin unwahrscheinlich niedrig und es bleibt einfach, ohne Transfers, für 20 - 40 DH (2-4 Euro)/Tag zu leben.

Nach meiner nun 22. Reise in Nordafrika, davon 12 in Marokko, liegen mir zwei Dinge am Herzen:

- die Freundlichkeit der Bevölkerung, die Hilfsbereitschaft und Offenheit ist m.E. immer noch (oder wieder?) unglaublich. Wer mit offenen Augen und Herzen reist, wird immer wieder angenehm überrascht sein.

- man sollte nie, auch wenn man sich für einen erfahrenden Reisenden hält, bestimmte Prinzipien verlassen. Es gibt nichts, was es nicht gibt, man hat längst nicht alles gesehen und erlebt. Die Grundsätze zu Hochgebirge, leeren Flußbetten, Pisten usw. gelten auch und insbesondere für Marokko.

Die Asphaltierung des Landes schreitet voran und man muß schon aufpassen, dass es noch einige Pisten gibt, die man fahren kann. Inzwischen ist es im Vergleich zu unserer ersten Reise 1995 möglich, reine Asphaltrunden mit direkten Wegen unter "Mitnahme" aller Landschaftsformen zu fahren.

Momentan denke ich, beim nächsten Mal ein wenig später im Jahr zu reisen, mit etwa längeren Tagen und etwas besserem Wetter. Ob es dazu kommen wird? Inchallah...

Temperaturhistorie Ouarzazate (Quelle www.wetteronline.de):

2001 2003
2004 2005

Eindrucksvoll zuerkennen ist in den vier Vergleichsjahren, dass 2005 der Kälteeinbruch ab 26. Januar Temperaturen in Südmarokko von 8 - 10 Grad weniger brachte, als zu dieser Jahreszeit üblich.

 
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