Wetterprognose

Juls Haouar Rundfahrt 2004 PDF Drucken E-Mail
Samstag, 20. Januar 2007

 Vom Flugplatz Agadir nach Rissani, zurück entlang dem Plateau Nou Haouar ("Piste interdite") nach Tagounite und Zagora, weiter auf der Piste 6953 über Bou Er-Rbi nach Foum Zguid, Teerstrasse nach Tata, Tisgui, Piste nach Tazegzaoute, Ifassfas, Tazalarhite, Teerstrasse nach Ait Baha; 1.550 km in 15 Etappen. Vorbemerkung: Jedem Rad- und Wüstenfahrer sticht auf der Michelin 959 sofort die lange rote, geheimnisvolle Linie ganz im Südosten Marokkos entlang der Grenze zu Algerien ins Auge. Exotische Namen wie El Remlia, Hi-Ouzina oder Tamassint lassen die Augen glänzen und Fernweh aufkommen. Schon die 700 km lange Anfahrt bis zum Pisteneinstieg ist beinhart: 1. Die Geduldsprobe auf der elend langen Zieher-Steigung entlang der schiefen Souss-Ebene mit dem unglaublich rauen Asphalt (140 km), 2. eine Berg- und Talbahn durch die Ausläufer des Anti-Atlas mit einem Pass 1850 m hoch bis endlich die affengeile Abfahrt runter nach Bou Imzilene kommt, auf der man die Berber mit ihren klapprigen Pöschrotts ordentlich versägen kann, dann noch ein letzter Pass 1450 m hoch (230 km) ,  3. der Rest bis Merzouga eine sehr windanfällige, wellige Strecke (330 km).

 

Marokko-Ranicki Jan Cramer war noch nicht auf dieser Piste und wollte auch nicht einmal am Hinterrad mitfahren, so sehr fürchtete er die Kraft der einen Andenlunge eines Endvierzigers. Er wettete lediglich vorsichtig dagegen, dass dieses Unternehmen in 14 Tagen zu bewältigen ist: "Erika (Därr) fährt das mit ihrem Geländewagen". 

Nun lieber Jan, ich gebe dir recht, 14 Tage sind zu kurz, um alles zu erleben, besser sind für diese Radtour 18 oder gar 21 Tage anzusetzen, um auch einmal das harte Leben der Wüstenbewohner z. B. in Ouzina in Ruhe studieren zu können. Mein Schedule hingegen war, wie der Lügen-Hans immer sagt, "auf Kante genäht" und das macht ja gerade den sportlichen Reiz einer solchen Rundfahrt aus. Nach der Tour will ich einen ordentlichen Streifen auf der Landkarte sehen und langsam fahren kann ich noch als Rentner. 

Genug der Vorrede, auf geht's ran an Lenker und in die Pedalen:

 

Etappe 1, 21.12.2004, 34 km, 1:25 h, ø 24 km/h

Wie immer bin ich mit dem Rad zum Flughafen gefahren. Diesmal war es saukalt, -5 Grad, Heg- und Apfelbach zugefroren, Mensch hab' ich mir einen in die Beine geschossen. Ich beneide die Pauschaltouristen, für die alles hergerichtet ist, während ich mit schlechten Beinen hinaus in die Nacht fahren muss. Nun, in Marokko empfing mich eine laue Abendluft mit ca. 22 Grad, meine Beine und meine Laune waren sofort wieder topp und ich beschloss noch 35 km  zu fahren, so bräuchte ich in dem anstehenden Viererblock á 175 km am ersten Tag nur 140 km zu fahren. Frech und provokant stecke ich mein Geko (GPS) vor den Augen der in der Nase bohrenden Sicherheitsbeamten auf. Die erforderliche Einfuhrgenehmigung besitze ich natürlich nicht. Der nächste Schritt wäre dann wohl eine Einfuhrgenehmigung für ein Schweizer Taschenmesser oder Rasierklingen. Die neue Schnellstrasse nach Taroudant ist jetzt komplett fertig geteert, ein Genuss. Am Rand eines Maisfeldes finde ich einen brauchbaren Biwakplatz.

 

Etappe 2, 22.12.2004, 168 km, 7:22 h, ø 23 km/h

Bei starkem Nebel starte ich in der Frühe. Erst ab ca. 400 hm kommt die Sonne hervor und die Icebreaker Unterwäsche kann abgelegt werden. Ganze Berge von Heuschreckenleichen liegen auf der Straße. Am späten Nachmittag erreiche ich die Stadt Talioune, schön unterhalb eines Felsen gelegen mit allen touristischen Möglichkeiten. Hier beginnt ein auf 1850 m führender Pass, kurz vor der Passhöhe beginnt die Dunkelheit und ich baue mein Zelt auf. Vor dem Einschlafen stecke ich die Ohrhörer auf und bei "Mezmerizing" von Liz Phair  denke ich selbstzufrieden und überheblich zugleich: "Läppisch, dieses Marokko, für einen, der in den Höhen Boliviens war. Morgen werde ich ganz locker nach Agdz rollen. Mir eine schöne Herberge suchen, heiß duschen und dann die Nippes-Händler ein bisschen veräppeln" (Erika Därr oder Edith Kohlbach sprechen in ihren Reiseführern immer vornehm von "Kunsthandwerk", und wahrscheinlich recyclen die Damen den dort aufgetürmten und von als Touareg verkleideten Berbern oder Arabern feilgebotenen, zu nichts brauchbaren Schrott in ihre Villen). Ich ahne nicht, wie bald mir Allah eine gigantische Lektion erteilen wird.

 

Etappe 3, 23.12.2004, 28 km, 4:00 h, ø 7 km/h

Gegen 4 Uhr werde ich von einem Prasseln gegen die Zeltwand geweckt, außerdem starker Sturm. Ich denke mir nichts dabei, wundere mich nur, dass die Zeltwand mit meinen Wertsachen so schief hängt. Als ich gegen 7 Uhr aus dem Zelt krabbele, sehe ich warum: 10 cm Neuschnee und ein eiskalter Schneesturm bläst. Unmöglich, einen Tee zu kochen, eine Ortlieb außerhalb des Zelts zu füllen oder das Zelt ohne Handschuhe zu verlassen. Auf der Teerstrasse haben sich riesige Verwehungen, eine Art Wellblech aus Schnee, gebildet, Sicht im Schneesturm vielleicht 5 m. Vorne schalten geht schon lange nicht mehr, zum Glück habe ich noch von der Biwaksuche das Babyblatt drauf. Hinten kracht's und springt's eine Weile, bis der Gang sitzt. Aufgrund dieser Erfahrung halte ich es für fast unmöglich, dass eine(r) mit einer Kettenschaltung im Winter übern Baikalsee fährt. Der eisige Sturm peitscht mir ins Gesicht, verreißt mir den Lenker und saugt mir den Saft aus den Akkus. Nach 28 km taucht rechts eine kleine Straßenmeisterei auf. Ich bin platt, zittere am ganzen Körper. Wie ein störrischer Esel bleibe ich stehen und denke: eins muss hier aufhören: der Schneefall, der Sturm oder die schlechte Sicht. Sofort nehmen mich die Arbeiter auf, räumen und fegen ihren Schuppen aus und zwischen Zement- und Mehlsäcken findet sich Platz für meine Isomatte. Immer wieder betonen sie, dass sie keine Araber, sondern Berber sind. Ihre Gastfreundschaft ist unglaublich herzlich und echt. Gut, dass es noch solche unkomplizierten Kumpel gibt.   

Schneekatastrophe im Antiatlas am 23.12.2004 Tizi Taghatine   

Schnee sogar in den Laufrädern  

 

Etappe 4, 24.12,2004, 168 km, 7:13 h, ø 23 km/h

Gegen 5 Uhr in der Frühe werde ich durch ein panzerähnliches Geräusch geweckt, es ist die Schneefräse, die den Pass frei räumt. Hurra, es geht weiter. Der Sturm hat sich gelegt, ab 1400 m geht der Schnee in Regen über. In Tazenakht lege ich die warme Bekleidung ab, es geht jetzt über einen letzten 1450 m hohen Pass, dann muss eine monotone Ebene gequert werden, bis sich bei Agdz mit dem Draa-Tal eine reizende Landschaft öffnet. Der Regen ist verflogen und die Sonne strahlt wieder über die wunderschönen Tafelberge. Fleißige Hände und intelligente Köpfe haben am Draa gut bestellte Beete angelegt. Stets findet sich am Rand jedes Beets ein Kräutergarten, der zum einen mit Kreuzkümmel zur Verfeinerung der Küche dient, andererseits werden auch Kräuter zur Produktion einer Art Myrre angebaut, mit der sich die körperlich sehr hart arbeitenden Frauen einreiben und im Gegensatz zu mir stets einen angenehmen Geruch verbreiten. Es macht Spaß den intakten Familienverbänden bei der Feldarbeit zuzuschauen: Die Frauen mit ihren kleinen Sicheln, die Männer beim Beladen und Führen der Esel und Maultiere, Kinder, Alte, Schwangere mit leichteren Arbeiten beschäftigt von Arbeitslosigkeit keine Spur. Jeden Meter genieße ich im Draa-Tal, bis ich leider in Tansikht links weg nach Nekob muss. An einem kleinen Fluss finde ich einen guten Biwakplatz. Die Nacht wird eiskalt, dicke Eiskrusten bilden sich auf der Außenhaut meines Zelts.   

Agdz: Blick aus Straßencafe   

Blick aus dem Zelt auf das Draa Tal 

Etappe 5, 25.12.2004, 230 km, 8:04 h, 29 km/h

Lange muss man auf solche Tage warten. Man wacht nach gut durchschlafener Nacht mit einem 36er Ruhepuls auf. Jede Krankenschwester würde jetzt aufgeregt den Chefarzt um Hilfe rufen. Unser einer hingegen ist begeistert, und denkt: Heute wird geballert und das 140 km Loch im Zeitplan wieder geschlossen. Erst eiskalt, dann angenehme Temperaturen um die 20 Grad, Arm- und Beinlinge können abgelegt werden. Starker Rückenwind, welliges Streckenprofil, bei dem man auf kurzen Steigungen immer wieder den Puls richtig hoch jagen kann, mit anderen Worten: eine Strecke, auf der bei einem Großmann der Nachbrenner zündet. Ergebnis 230 km in 8 Stunden, aha Erika, es geht auch ohne Rudolf (Diesel). Einen Konvoi von Landrovern, die mich gegen 11:30 Uhr überholen, habe ich während ihrer Mittagspause an einer großen Kasbah zu ihrem blanken Entsetzen wieder eingeholt. Und sie kriegen mich,  jetzt begeistert hupend, erst kurz vor Rissani wieder ein, geiles Gefühl. Nie mehr gesehen hätten sie mich, wäre meine Heidelberger Rennradgruppe mit Christian Henn, Volker Haxsen, Andreas Dumm und Hanno Haag mit dabei gewesen. Wir hätten einen Kreisel aufgezogen und das Tempo  wäre nicht mehr unter 35 km/h gefallen. Maßlos enttäuscht bin ich von dem überschwemmten und verschlammten Rissani, kein anständiges Hotel in der Stadt, in einer Absteige beziehe ich Quartier und genieße eine umso herrlichere Tajine.   

Schnee auch in den Bergen hinter Nekob 

Etappe 6, 26.12.2004, 112 km, 6:20 h, ø 18 km/h

Die geteerte Strasse führt entgegen der Angaben in Berichten und Reiseführern bis Taouz. Eine sehr schöne Strecke auf einem ausge­trockneten Salzsee. Links große und sehr schön geformte Sanddünen, das Erg Chebbi. Verglichen mit den Frauen auf der Strecke zwischen Swakopmund und Walfishbay in Namibia sind dies allerdings nur Mädchen. Mir kommt der ganze Fuhrpark deutscher Individualtouristen entgegen: Umgebaute, ehemalige Feuerwehrautos, hochbeinige 4x4 Wohnmobile, normale Geländewagen, und nicht zu vergessen diese Abteilung der Möchte-gern Kleinschmidts und Schlessers (man sieht auch immer öfter Frauen am Steuer dieser ebenso aufgeblasenen wie unnützen 2 Tonnen 4x4 Ungetüme). Jeder marokkanische LKW Chauffeur grüßt mich, aber meine Landsleute heben fast nie die Hand. In Merzouga treffe ich zwei ganz liebe Rentner aus Eutin und Dresden. Sie campieren an einer Düne und machen mit ihren Trekkingrädern Tagestouren, kennen sich perfekt in der Gegend aus. Sie erklären mir genau den Weg auf die neu geteerte Straße nach Taouz und weisen mich noch darauf hin, dass die Piste 6953 von Zagora nach Foum Zguid als der "Ölwannentöter" bei den Jeepfahrern gilt. Am Ortsende von Taouz beginnt an einem Militärposten nun die lang ersehnte "Piste interdite". Bretthart rollt sie sehr gut, und man muss nur ab und zu den großen Pfützen von den starken Regenfällen der letzten Tage ausweichen. Auch die Sandpassagen sind gut zu meistern, da der Sand durch die Feuchtigkeit schön griffig ist. Die Landschaft ist sensationell und sehr abwechslungsreich. Schon bald erreiche ich Ouzina, dass auf einem Sandhügel liegt, den ich halb schiebend, halb fahrend empor klettere. Das halbe Dorf läuft zusammen, um den Exoten zu bestaunen, der sich erst einmal am Dorfbrunnen die Schlammspritzer abwäscht. Ein sehr hübsches Berbermädchen bringt unaufgefordert Tee und selbstgebackene Kekse, die von Sesam umhüllt und noch mit bunten Zuckerperlen bestäubt sind. Sehr ordentlich gemacht, könnten auch von einer Odenwälder Hausfrau stammen. Sprechen dürfen allerdings nur die Männer mit mir. Ich frage sie sofort nach Kamelmilch, die ich ebenso wie das Fleisch dieser Tiere unbedingt probieren möchte. Nein, sagen sie, dies bekomme man nur bei den Nomaden in der Wüste und beides sei sehr teuer. Also wird weitergezogen. Noch rechtzeitig vor Sonnenuntergang finde ich einen traumhaften Biwakplatz direkt gegenüber dem Plateau Haouar, Namensgeber dieser Radtour. An diesem Fleck herrscht eine unbeschreibliche Stille. Kein Fahr- oder Flugzeug mehr, kein Vogel zwitschert. Man erholt sich sagenhaft, ihr müsst das einmal selbst erlebt haben. Schach matt, ich finde dafür keine Worte. 

 

 

Große Düne bei Merzouga   

Überschwemmter Pistenbeginn bei Taouz   

Plateau Nou Haouar - Namensgeber meiner Rundfahrt   

Abendstimmung am Plateau Haouar  

Biwak - ohne Worte

 

Etappe 7, 27.12.2004, 73 km, 5:14 h, ø 14 km/h

Heute steht das bei Jeepfahrern gefürchtete Qued Rheris an. Ein tiefsandiges, etwa 3 km breites Flussbett. Vohrer rolle ich auf einer kleinen Fahrrad- und Tragtierspur nach El Remlia ein.  Alljährlich macht hier der "Marathon des Sables", ein 260  km langer Wüstenlauf, Station. Begeistert werde ich hier empfangen und sofort wird frisches Fladenbrot und grüner Tee aufgetischt. Ein besonders freundlicher junger Mann füllt mir noch fünf Liter Wasser in meinen Wassersack und sagt, das Flussbett sei problemlos mit dem Rad zu meistern. So ist es dann auch, vielleicht insgesamt 500 m habe ich dort geschoben und kann all die Horrorberichte nicht nachvollziehen. Nun, es geht zügig weiter, die Landschaft ist einmalig  schön. Extrem weite Ebenen, in denen du dir klein und hilflos vorkommst, umrahmt von majestätischen Tafelbergen. In dem Dorf Tafraoute mache ich Kaffepause. Die Berber bereiten mir leckere Käsebrote mit selbst angebauten Kreuzkümmel und Knoblauch. Bis zu dieser Ortschaft eignet sich die Piste interdite auch für Radfahrer, die ihre ersten Pistenerfahrungen sammeln möchten. Die Versorgung mit Wasser und Lebensmitteln ist sehr gut, und wem es keinen Spaß macht, der könnte hier die Notbremse ziehen und mit einem Kleinbus über eine andere, leichtere Piste nach Rissani zurückfahren. Die nachfolgende Strecke bis Tagounite ist hingegen nur erfahrenen und gut ausgerüsteten Tourenfahrern zu empfehlen. Nach der Ortschaft beginnt der Lac Maider, ein ausgetrockneter, weiter Salzsee. Ohne GPS wäre ich hier verloren, da viele Spurenbündel vorhanden sind. Die Abfahrt vom "See" ist tiefsandig, ich verlasse die Fahrspur und ziehe meine eigene durch den etwas feuchteren Sand.  Dies erhöht natürlich auch das Risiko eines Platten, der sich dann auch nach 6 km einstellt. Jetzt merke ich auch, dass ich etwas vom Kurs abgekommen bin und daher steuere ich den nächsten Wegpunkt per direkter Linie an. Es geht über fast haushohe Dünen quer durchs Gelände, obwohl Schwerstarbeit, es macht einen unglaublichen Spaß. An einer schönen Akazie sind meine Kräfte erschöpft und ich baue mein Biwak auf. Bin ich schon auf algerischem Staatsgebiet? Die Frage beschäftigt mich nicht weiter und ich schlafe tief und fest ein.  

Fahrradspur nach El Remlia  

Stolze Berberfamilie in El Remlia

 

Etappe 8, 28.12.2004, 74 km, 5:48 h, ø 13 km/h

Am nächsten Morgen sehe ich bald das Militärfort Tamassint, nachdem ich einen weiteren Platten flicken musste und dabei den neuen Schlauch gleich bei der Montage zerstört habe (Ja, Ja, lacht euch nur kaputt!). Da ich noch genügend Wasser habe, beschließe ich, es rechts liegen zu lassen. Die Landschaft ist jetzt sehr weitläufig und nicht mehr ganz so spektakulär wie zuvor. Einige sehr heftige Sandpassagen sind zu queren. An einem Gräberfeld mache ich halt. Es ist eine sehr würdevolle Stelle, an der ich kurze Zeit innehalte und dankbar bin, dass bisher alles gut geklappt hat. Kurze Zeit später bekomme ich einen Bärenhunger. Die restlichen Riegel und Gels werden vernichtet. Die Piste besteht jetzt teils aus hartem Lehm, so dass ich sehr zügig vorankomme. Schon bald erreiche ich das Fort Zguilma, an dem Registrierungspflicht besteht. Die freundlichen Soldaten füllen mir meinen Wassersack. Der nun folgende Anstieg ist sehr steil und ebenso geht es wieder hinunter in eine von schwarzen Bergen umrahmte Fläche, ähnlich einem Meteoritenkrater. So etwas habe ich noch nie im Leben gesehen. An einem ausgetrockneten Flusslauf wird abgesattelt und leckere Spaghetti mit Thunfisch zubereitet.   

Schicksal eines Radlers - erst ist das Tempo gut, dann verreißt's den Lenker und er wird neben sein Rad gezwungen....Man beachte das viele Grün...  

Auffahrt zum Krater   

Ziehbrunnen im Krater

 

Etappe 9, 29.12.2004, 110 km, 4:49 h, ø 23 km/h

Es folgt eine Flachstrecke, die wiederum sehr zügig gefahren werden kann. Eine aus dem Fels gehauene, gut zu fahrende Steigung aus dem Krater heraus heize ich mit ordentlichem Tempo herauf und auch herunter wird geblasen. Mein rechter vorderer Tubus ist längst abgerissen und ein riesiges Loch klafft in der Gabel. Ein richtiger Metzger fährt jedoch so lange, bis sich gar nichts mehr dreht. Die sich anschließende, eklige Wellblechpiste bringt mich fast zur Verzweiflung und die Laune bessert sich erst als ich den Oasengürtel um Tagounite erreiche. Herrlich grün ist es hier, schade, dass ich weiter ziehen muss. Nach einer Teepause jage ich den Pass nach Zagora hoch. Kurz vor der Passhöhe überhole ich zwei Fahrer eines Joghurt-LKW, die sich zum Mittagsgebet niedergelassen hatten und gerade ihren Teppich einrollen. In der rasenden Abfahrt reichen sie mir bei ca. 70 km/h eine Box mit leckerem Orangennektar an. Ja, Ja, riskante und waghalsige Manöver, das lieben sie, diese Araber. Mit meiner einen Ortlieb vorn, da musste ich alles Fahrkönnen aufbieten. Gegen 15 Uhr erreiche ich Zagora und finde mit der Auberge Chez Ali sofort eine traumhafte Unterkunft: einfache, sehr saubere Zimmer, ein blühender Garten, bestes Essen. An einem großen Waschstein wasche sofort meine salzverkrusteten Trikots, ich dusche nur ganz kurz, um den Bewohnern nicht zu viel Wasser zu nehmen. Mitten in Zagora gibt es eine Konditorei mit den besten Keksen...

 

Etappe 10, 30.12.2004, 90 km, 6:18 h, ø 14 km/h

Gut gestärkt starte ich erst gegen 10 Uhr zu einer schrecklichen Etappe. Ein langer Schwatz mit einem Schweizer Paar hatte mich aufgehalten. Zwei Reiseradler warnten mich vor: "Du wirst zwei Tage für diese Steinhölle brauchen und die Versorgung ist schlecht". Die Piste beginnt bretteben und gut präpariert, so dass ich ihre Meinung zunächst nicht nachvollziehen kann. Erst nach ca. 15 km beginnt wirklich der Steinbruch. Schieben muss man wegen des flachen Profils kaum, auf Tempo kommt man wegen der vielen Steine aber auch nicht, aus dem Sattel fahren geht auch kaum, dazu ist es zu weich. Eine monotone Landschaft. Die Versorgung würde ich hingegen als gut bezeichnen, gibt es doch etliche Beduinenzelte, deren Bewohner gerne etwas verkaufen. Außerdem etwa in der Mitte das Dorf Bou-Er-Rbi, das allerdings ca. 3 km abseits der Piste liegt. Nachts zeigt mein Geko -5 Grad.  

Zagora

Etappe 11, 31.12.2004, 107 km, 4:48 h, ø 22 km/h

Zum Abschluss noch ein  5 km langer Sandkasten, den ich allerdings zum größten Teil umfahre. Dann kommt endlich die Teerstraße nach Foum Zguid. Dort mache ich unter einem alten Baum eine ausgiebige Mittagsrast bei gegrillten Hammel und Pommes frites (Ja, ich weiß schon, nicht streng nach Dr. Konopka). Dabei lerne ich zwei sympathische Motorradfahrer aus Frankfurt kennen. Mit ihren sehr geländegängigen KTM Maschinen hatten auch sie mit der Piste schwer zu kämpfen. Der Mann sagt zu mir: "Mensch, Alter, hast dich gut gehalten". Vor der Frau, einer kleinen Blonden, ziehe ich den Hut, mit einem so schweren Bock durch diese steinige Hölle, alle Achtung. Wir plaudern noch über alles Mögliche, dann breche ich auf. Ich weiß, dass etwa zehn km vor Tissint eine prima Biwakstelle ist. Der Fluss Tissint hat sich hier zu kleinen Badewannen gestaut, die ich sofort nach der Ankunft ausgiebig nutze. Ich kann vom Rauschen des Wassers gar nicht genug bekommen. Ein traumhafter Platz und wenn ihr dort Rast macht, bitte verlasst ihn so sauber, wie ihr ihn angetroffen habt. Das Wasser ist sehr mineralhaltig, es schmeckt selbst nach Filterung nicht.   

Moschee vor Foum Zguid  

Biwakplatz vor Tissint

 

Etappe 12, 01.01.2005, 86 km, 3:30 h, ø 25 km/h

Eine Zwergetappe nach Tata. Dort steige ich im Hotel Sahara für 20 Dirham ab, der junge Besitzer könnte aus dem baulich schönen Hotel eine Goldgrube machen, wenn er nur wollte. Aus Jux schaue ich mir mal einen Teil der in Tata offerierten Unterkünfte an. Auf dem Campingplatz jede Menge deutscher Rentner mit Wohnmobilen, die fett wie Grillschinken auf ihren Liegen in der Sonne bruzzeln und mich mustern, als würde ich auf der Fahndungsliste des George W. Bushs stehen. Hinten im Eck eine Gruppe langhaariger, verkiffter Hippies mit so einem Wellblech Citroen Bus und verwahrlosten Kötern. Nicht gegen mein übliches Stundenhonorar würde ich hier mein Zelt aufschlagen. Vor dem Luxushotel "Relais de Sables" die dicken Geländewagen der Europäer und die Quadbikes des Eigentümers. Allein dies reicht, um dort nicht abzusteigen. Im Renaissance Hotel lungern die Angestellten auf der Couch herum und ziehen an der Wasserpfeife. Benebelt zeigt mir einer die Zimmer, nicht schlecht für 120 Dirham (11 Euro). Warme Dusche jedoch erst um 18 Uhr. Ich würde aber jetzt duschen wollen. Ferner eine fette "Castle" Werbung an der Fassade. Dies gehört sich nicht in einem Land, in dem die Religion der Mehrheit der Bevölkerung den "Genuss" von Alkohol verbietet. Castle, eine Marke der SAB Gruppe (South African Breweries Ltd.), die ich u. a. wegen ihrer aggressiven Aufkaufpolitik in Deutschlands Osten,  nicht mag. Ich genieße noch ein Kaffeetscherl auf der Terrasse des schönen Restaurants neben dem Campingplatz.  Abends kehre ich in einem rustikalen Lokal am Marktplatz ein. Der hübschen, unverschleierten Köchin lächle ich freundlich zu und prompt erhalte ich kostenlos einen Pfannkuchen mit Erdbeermarmelade, klasse! Ich plaudere noch lange mit einem holländischen Ehepaar, die mit ihren schönen, klassischen Koga Rädern unterwegs sind und morgen auch Richtung Igherm aufbrechen.

 

Etappe 13, 02.01.2005, 105 km, 6:17 h, ø 17 km/h

Nach einem ausgiebigen Frühstück breche ich mit guten Beinen auf. Mit der von Jan Cramer entdeckten Strecke von Tisgui rüber in den Antiatlas habe ich noch eine Rechnung offen. Orientierungslos bin ich dort letztes Jahr kläglich gescheitert und wieder umgekehrt. Schon nach kurzer Zeit fahre ich auf die Holländer auf und wiederum wird etwas geplaudert. Lange kann ich jedoch nicht mit ihrem Tempo fahren, das mich an meinen ersten Bausparvertrag erinnert. Ihr Fietser wart nette Leute, aber fahren wollte ich nicht mit euch. Raus aus dem Sattel und hinter Tisgui geht es links weg auf eine der schönsten Pisten weltweit. Da ich die Strecke im letzten Jahr abwärts gefahren war, habe ich einen genauen GPS Track, fahre absolut sicher. Der untere Teil der Strecke bis Tazegzaoute ist gut präpariert, da die in der Schlucht befindlichen Dörfer jetzt elektrifiziert werden. Mit guten Beinen geht es mit einem anständigen Tempo aufwärts. Hinter Tazegzaoute wird der Pfad deutlich schwerer und teilweise sehr steil, so dass auch ich für kurze Passagen neben mein Rad gezwungen werde. Die letzten Stunden hatte ich vor lauter Eifer etwas überzogen und fahre jetzt in den Bereich einer "Hungermacke".  Also anhalten, Banane und Riegel essen, Malto-Dextrin trinken, warten bis der Sprit wieder richtig fließt. Dies sehen am oberen Rand der Schlucht befindliche Kinder. Erst schreien und zetern sie, dann fliegen Steine. Die Situation erinnert mich ein bisschen an ein Kapitel aus dem Buch von General Lebed über seine Lage im Pandschir Tal, strategisch aussichtslos. Ich weiß aber, diese Bankerte kommen aus dem Dorf etwa 1 km oberhalb von meinem Rastplatz. Dort werde ich sie jagen. Dies ist aber nicht mehr nötig, da sie bereits von den wütenden Müttern geohrfeigt werden... Auch in der Schlucht müssen Schnee und Kälte furchtbar gewütet haben. Vor Ifassfas liegt ein toter Esel in einer Felsspalte unterhalb der Piste. Die Zähne fletschende, wilde Hunde verteidigen ihn wie Wölfe. Mit Steinwürfen halte ich sie mir vom Leib. Auf einem Steinplateau finde ich einen traumhaften Biwakplatz. Es kommen noch einige kichernde Berbermädchen vorbei, sie tragen riesige Kiepen mit Gras und Zweigen für ihr Vieh. Gern hätte ich mal ihren lustigen schwarzen Geißbock gestreichelt, aber der lässt mich nicht heran. Auf ihr großes Interesse stößt mein fauchender XGK Kocher, auf dem bereits die Spaghetti kochen. Nachts wird es bitterkalt, 0 Grad zeigt der Geko und die Sonne kommt erst spät über die Berge.  

Jans hohle Gasse  

Der Strom kommt!!!

 

Etappe 14, 03.01.2005, 110 km, 5:45 h, ø 19 km/h

Der letzte Teil der Piste erfordert höchste Kondition, Konzentration und Geschicklichkeit. Ein erfrorenes Kamel liegt auf der Piste. Zügig passiere ich die Hochebene und erreiche bald Tazalarhite, das auf fast 1900 m Höhe liegt und eine geniale Fernsicht auf die Soussebene, die verschneiten Riesen des hohen Atlas, die etwas niedrigeren Berge des Antiatlas und die benachbarten, tiefer liegenden Dörfer bietet. Am Ende der Piste beginnt sofort der Antiatlas, eine landschaftlich schöne Gegend, die ich jedoch radfahrerisch hasse. Für mich zu lange und zu steile Steigungen und keine Rollerstücke, auf denen ich die Bergziegen so anknocken könnte, dass ich die Berge wenigstens am Hinterrad mitfahren könnte. Ewig lang zieht sich die abwechslungsreiche Strecke auf der S 509 nach Ait-Baha. Dort angekommen, beziehe ich sofort Quartier im Hotel Al Adarissa, ein riesiges und schönes Zimmer mit eigener Dusche kostet dort 106 Dirham, also etwa 10 Euro. Sensationelles Preis-Leistungs-Verhältnis.

Etappe 15, 04.01.2005, 55 km, 2:15 h, ø 24 km/h

Die Rausschmeißer Etappe zum Flughafen. Dort lungere ich ein paar Stunden herum und tippe schon fleißig in den Palm. Interessante Leute sprechen mich an:

-der braungebrannte Charly aus HH, der seit 25 Jahren in Marokko lebt, mit 3.000 DM aus dem Verkauf seines Wohnmobils angefangen hat und mittlerweile eigene Bungalows am Meer vermietet. "Ich bin zu fett, Du bist austrainiert wie ein Tour de France Teilnehmer, und Dein Rad, super, kein so'n Schicki-Micki-Teil, dem sieht man richtig an, wo Du warst" sagt der ehemalige Box-Trainer.

-??? aus SFA, der mit einem 45 Jahre alten Borgward LKW unterwegs ist und sich mit seinem Reisepartner verstritten hat und nun alleine weiterfährt.

-??? aus NOL, der Marokko mit einem IFA LKW bereist, dieser LKW ist, sensationell, serienmäßig mit einer Reifendruckregelanlage bestückt.

-??? ankommender Reiseradler aus Schorndorf, dessen Zelt von Hapag-Lloyd verschlampt wurde und der mich nun um mein Zelt bittet. Nein, ein MacPac Microlight aus der Zenith Serie verkauft man und verleiht man schon gar nicht. So ein Zelt wird nie mehr gebaut werden. Außerdem meine ich, die Hapag müsse ihm das Zelt per Kurier nachfahren. Jedenfalls tun sie dies mit den Schminkkoffern der Pauschaltouristinnen an der Küste. Etwas mürrisch zieht er weiter, den dicken Wälzer von der Erika in der Packtasche.

In Frankfurt nachts um ein Uhr angekommen, geht's sofort in die Pedale, heim nach Heidelberg. Der Westwind bläst schwer, vier Stunden fahre ich fast wie gegen einen Berg...

Ihr wisst ja, nach der Tour ist vor der Tour und ich träume von:

Khardung La, Karakorum Highway, K2, verspreche aber: keine weitere Flugreise in 2005...

Glücklicher Metzger beim Tee  

  

Ein Loch ist in der Gabel - oh Germans mach's zu!  

Besonderheiten in Marokko und Sonstiges:

1. Kinder(plagen), Halbstarke und Strukkis

Leider sind die lieben Kleinen nicht immer so artig, wie uns dies die kinderlose Unicef-Fee Sabine Christiansen weismachen will. Nicht toleriert habe ich Steinwürfe, ich habe entweder ordentlich zurückgefeuert (geht prima mit deutschen Kastanien) oder die Eltern zur Rede gestellt, die sich ausnahmslos sofort entschuldigten und mich stets auf einen Tee oder ein Käsebrot einluden. Interessant für Low-Budget Touristen, oder? Gut, ich möchte das Thema nicht überbewerten, wir wären schließlich auch neugierig, kämen die Araber mit ihren Kamelen zu uns. Und in Bolivien, wo die Kids extrem zurückhaltend waren, habe ich eine Rotte frecher Bankerte zur Steigerung des Adrenalinausstoßes regelrecht vermisst...

Ätzender können diese pubertierenden Halbstarken mit Damenbärten sein. Mit krottenfalscher Sitzposition kommen sie mit ihren MTB's freundlich schleimend angeschlichen. Die Piste sei so schwer und sie wüssten eine prima Abkürzung. Folgt man ihnen, verschiebt sich der Pfeil des GPS sofort und sie sind gleich als Lügner entlarvt. Ihr Ziel ist es, einen gegen eine Provision in ein Lokal oder eine Pension zu locken. Einen dieser klebrigen Jünglinge hatte ich schon schön sauer gefahren und ich hätte ihm auch noch einen Satz heiße Ohren verpasst, jedoch ist er mir dann schimpfend entwischt.

Der ganze Tourismus in Marokko ist ein gigantischer Strukturvertrieb und jeder deutsche Versicherungskonzern wäre stolz, wenn er so ideenreiche Vertreter hätte. Der Hotelier erhält eine Provision, wenn er eine Taxi- oder Busfahrt vermittelt usw., usf. Ich möchte jedoch ganz deutlich darauf hinweisen, dass ich Marokko als sehr angenehmes Reiseland empfunden habe, in dem man viel Spaß hat. Die wenigen Nachteile werden durch viele Vorteile wie z. B.: geringe Verkehrsdichte und gutes Preis-Leistungsverhältnis dicke überkompensiert. Denkt daran: Auch die Schweiz oder Monaco sind nicht perfekt!

2. Feilschen, Essen & Trinken: Wie in vielen heißen Ländern sind die Getränkepreise in Marokko recht hoch, Drinks wie Poms, Ice, Hawaii schmecken gut und laufen literweise hinunter. Hier lohnt sich handeln. Wer dazu zu kaputt ist, der filtert kostenlos Leitungs- oder Brunnenwasser und gibt Getränkepulver oder Malto-Dextrin (z. B. Lamperts Malto-Dextrin 12) und frisch gepressten Saft dazu. Ich habe auch immer einen Sirup, z. B. Holunderblüte dabei. Den Rücktausch von Dirham erledigt man am besten in den Lebensmittelgeschäften gegenüber dem Flugplatz, die haben zwar nur Euromünzen, man bekommt jedoch 100 % über dem Marktkurs - eines der wenigen guten Geschäfte, das man in Marokko machen kann. Wer wie ich Ziegen- und Lammfleisch liebt, den Kreuzkümmel als bestes Gewürz verehrt, der wird die marokkanische Küche als eine der besten der Welt preisen. Marokko hat außer Fernost den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Grüntee. Serviert wird in aller Regel tagsüber köstlicher chinesischer Gun-Powder, gebrüht auf Holzkohle in kleinen, urigen Kannen mit (zu) viel Zucker  und frischer Pfefferminze. Abends wird hingegen reiner Pfefferminztee, aus frischer Minze  gebraut, serviert, genialer Geschmack, nicht zu vergleichen mit dem für mich ungenießbaren Kräuterzeugs aus Deutschland. In den  Oasen sollte man einmal die herrlichen, frischen Datteln genossen haben, gibt's weltweit bessere? Leider blieb es mir verwehrt, einmal Kamelmilch und Kamelfleisch zu probieren.

3. Ausrüstung, Verpflegung, Training und Geräusche:

Aufgrund der teils harten und steinigen , teils sandigen Böden empfiehlt sich ein Zelt, das ohne Heringe und in einer Minute steht. Aus Platz- und Gewichtsgründen hatte ich nicht mein Marmot Uphigh (steht ohne, Gesamtmasse 2.400 g), sondern ein MacPac Microlight (steht mit 10 Häringen, Gesamtmasse unschlagbare 1.800 g bei bestem Material und guter Windstabilität) dabei. Vorsicht, überall messerscharfe Akaziendorne. Schlafsack nicht zu leicht, nachts kann es recht kalt werden, ich hatte einen Marmot Helium dabei. Da es in Marokko noch viele Nomaden und Hirten gibt, wird wildes Zelten überall akzeptiert und respektiert. Marokko ist ein sehr ruhiges Land.  Mit Sonnenuntergang wird es bald still und es fahren kaum noch Fahrzeuge.

Bei der Verpflegung lehne ich diese überteuerten Trockengerichte diverser Hersteller ab. Bei mir werden richtige Spaghetti oder andere Nudeln mit Tomatensauce und Olivenöl gekocht. Sehr gut schmeckt auch Dinkel Schnellkochgrütze vom Bauckhof (erhältlich in Bioläden). Diese ist in zwei Minuten gar und spart somit Sprit und Zeit. Kann mit Tomaten, Knoblauch und Zwiebeln abends oder mit Milch(pulver) und frisch gepresstem Bananenmark zum Frühstück gegessen werden, unglaublich lecker. Ferner sind diverse Nüsse in meinem Proviantsack (Exoten wie Erd-, Para-, Macademianüsse und natürlich selbst geerntete Wal- u. Haselnüsse aus dem Heidelberger Wald). Mein Frühstücksmüsli basiert auf Allos Amaranth Früchtemüsli. Ich reichere es noch mit Dinkelflocken und unverzichtbar mit Quinoa (bester Eiweißlieferant) an. Bester Riegel ist nach meiner Meinung der englische High5 Sportsbar, davon hatte ich 14 Stück dabei. Bei den Gels bevozuge ich Enervitene "Cola" oder Powerbar "Black Berry". Trockenfrüchte sind unverzichtbar und ich habe stets dabei: Ananas, Feigen, Datteln. Anders als viele Radsporttrainer bin ich der Meinung, dass Schokolade ein hochwertiger und reiner Energielieferant ist, mein Tip: probiert mal Rapunzel "Krachnuß"...Irre!

Für so eine Gewalttour sollte man auftrainieren: a) Grundlagenausdauer im Bereich 60-80% der maximalen Herzfrequenz; b) Fahren mit hohem Hämatokritwert (ohne Trinken 2-3 Stunden), hilfreich bei langen, wasserlosen Wüstenetappen; c) Um mal eine Lücke schließen zu können, sollte man eine Stunde mit 85-90% der maximalen Herzfrequenz fahren können.

Auf langen, endlosen Geraden steigert es die Wattzahl, wenn der richtige Sound auf dem Ohr liegt. Ich hatte ein iRiver iFP-790 dabei, läuft mit einer AA-Zelle unglaubliche 36 Stunden. Zusammen mit einem Etymotic ER 6 Ohrhörer hat man fast Highend im Trikot. Bitte nicht nach dem Preis fragen...

4. Kosten

Flug LTU mit Rad                 375 Euro

Taschengeld                         120 Euro

zusammen                             495 Euro

10x im Zelt und

4x in Hotels, Pensionen übernachtet.   

5. Danke!, sage ich zu:

-Garmin, die kleine, bezahlbare Geräte produzieren, die einem per Pfeil den richtigen Weg weisen und sich auch immer wieder an diesen Weg erinnern können,

-Scott, der mit Pathaway für Radfahrer und Wanderer ein Wunderwerk der Softwaretechnik produziert, das selbst unter schwersten Bedingungen den letzten Zweifel über Position und Kurs ausräumt,

-Tom, der mit TTQV ein ebensolches Wunderwerk zur Vor- und Nachbereitung von Radtouren dieser Art geschaffen hat, z. B. können die Bilder der Digitalkamera automatisch zugeordnet werden,

-Last but not least, allen Marokkanern, die anständig und ehrlich zu mir waren.

        

Für den Inhalt verantwortlich: Julius Großmann, Waldhoferstraße 102, 69123 Heidelberg, Email: jul.oase(ät)t-online.de
 

 

 
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